Nach einer turbulenten Berichtswoche wenden sich Analysten der Bewertung von Novo Nordisk zu. Deutsche Bank Research und Morningstar veröffentlichten am Donnerstag aktualisierte Einschätzungen, die trotz der jüngsten Kursausschläge keine dramatische Neubewertung des dänischen Pharmakonzerns nahelegen.
Deutsche Bank und Morningstar bleiben verhalten
Deutsche Bank-Analyst Emmanuel Papadakis bestätigte seine Einstufung „Neutral“ und beließ das Kursziel bei 290 dänischen Kronen. Morningstar-Analystin Karen Andersen bezifferte den fairen Wert der Aktie auf 285 dänische Kronen. Sie begründete dies damit, dass das Papier trotz der jüngsten Rückschläge im Entwicklungsportfolio fair bewertet sei. Beide Einschätzungen entstanden am selben Tag, an dem der Markt noch die gescheiterte Cagrisema-Studie verarbeitete – ein Hinweis darauf, dass die Analysten die Pipeline-Probleme bereits eingepreist sehen, ohne deswegen skeptischer zu werden.
Grundlage der Neubewertung ist der Quartalsbericht vom vergangenen Dienstag. Novo Nordisk meldete einen bereinigten Umsatz von 78.488 Millionen dänischen Kronen, ein Plus von 7 Prozent auf Basis konstanter Wechselkurse, sowie ein bereinigtes Betriebsergebnis von 33.389 Millionen Kronen, ein Anstieg von 11 Prozent. Der Konzern hob im Zuge der Zahlen seine Jahresprognose für bereinigten Umsatz und bereinigtes Betriebsergebnis auf eine Spanne von 0 bis minus 6 Prozent zu konstanten Wechselkursen an – eine Verbesserung gegenüber der bisherigen Erwartung, getragen von einer beschleunigten Nachfrage nach GLP-1-Präparaten. Die Aktie legte nach der Vorlage in der Folge um 6,6 Prozent zu.
Wertminderung überschattet operative Stärke
Parallel zu den guten operativen Zahlen musste Novo Nordisk eine nicht zahlungswirksame Wertminderung von 6,3 Milliarden Kronen auf Pipeline-Vermögenswerte verbuchen, darunter den Wirkstoff Monlunabant. Diese Belastung erklärt, warum Analysten trotz zweistelligem Gewinnwachstum bei ihren moderaten Kurszielen blieben – die Ertragskraft im Kerngeschäft rechtfertigt aus ihrer Sicht keine höhere Bewertung, solange Fragezeichen über der Entwicklungspipeline stehen. Genau diese Fragezeichen wurden am vergangenen Donnerstag größer, als die enttäuschenden Studienergebnisse bekannt wurden. Seither zog die Aktie dennoch um 2,7 Prozent an, was zeigt, dass der Markt die Rückschläge inzwischen als bereits eingepreist behandelt.
Auf der positiven Seite bleibt die orale Wegovy-Pille ein Wachstumstreiber: Sie kommt in den USA seit Markteinführung auf über 5 Millionen Rezepte und erhielt zusätzliche Zulassungen in der EU, Großbritannien und den Vereinigten Arabischen Emiraten.
Aktienausgabe zum 100. Jubiläum
Novo Nordisk meldete zudem, dass im Rahmen des Aktienprogramms zum 100-jährigen Jubiläum insgesamt 74 Aktien zu einem Kurs von 294,30 dänischen Kronen an verschiedene Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder übertragen wurden. Die Mitteilung fällt in eine Woche, in der der Konzern ohnehin im Fokus der Investoren stand, und unterstreicht den symbolischen Charakter des Jubiläumsjahres.
Kursbild und Ausblick
Zum Wochenschluss stieg die Aktie um 2,69 Prozent auf 40,99 Euro und bewegte sich damit nahe ihrem 50-Tage-Durchschnitt, von dem sie nur 0,05 Prozent entfernt notiert – ein Zeichen für eine Phase der Konsolidierung nach den turbulenten Nachrichten der vergangenen Tage. Zum 52-Wochen-Hoch beträgt der Abstand weiterhin 25,27 Prozent, was zeigt, dass die Erholung von den Kursverlusten des Frühjahrs noch nicht abgeschlossen ist. Anleger dürften den nächsten wichtigen Fixpunkt erst beim Kapitalmarkttag am 20. September finden, wenn Novo Nordisk eine vollständige Überprüfung von Strategie, operativem Geschäft und Finanzzielen vorlegen will.
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