Novo Nordisk Aktie: 100-Prozent-Zölle ab August 2028

Neue US-Zölle auf Generika und eine Klage gegen Eli Lilly setzen Novo Nordisk zu. Die Aktie zeigt sich trotzdem stabil, während Analysten zurückhaltend bleiben.

Auf einen Blick:
  • US-Zollplan für Generika vorgestellt
  • Rechtsstreit mit Eli Lilly eskaliert
  • Aktienrückkaufprogramm läuft weiter
  • Analysten raten mehrheitlich zum Halten

Novo Nordisk steckt gerade in einer Zwickmühle. Auf der einen Seite drohen neue US-Zölle auf Pharmaprodukte. Auf der anderen Seite tobt ein juristischer Schlagabtausch mit Erzrivale Eli Lilly. Die Aktie schloss am Donnerstag bei 42,27 Euro, ein Plus von 0,43 Prozent — auf Wochensicht steht dennoch ein Minus von 3,80 Prozent zu Buche.

Trump staffelt Zölle auf Generika

US-Präsident Donald Trump hat einen mehrstufigen Zollplan für importierte Generika vorgestellt. Zwei Jahre lang, beginnend am 1. August, sollen keine Zölle anfallen. Ab August 2028 greift dann ein Satz von 100 Prozent, ein Jahr später steigt er auf 200 Prozent.

Trump bezeichnete die Staffelung in einem Social-Media-Post als „Strafe“ für Hersteller, die es versäumen, rechtzeitig eigene Produktionskapazitäten in den USA aufzubauen. Er rahmt die Maßnahme als Reshoring-Initiative für die Generika-Branche.

Zwar zielt der neue Zollsatz auf Generika und nicht auf patentgeschützte Medikamente. Trotzdem trifft er auf ein ohnehin angespanntes Umfeld. Bereits am 2. April hatte Trump per Section 232 einen Zollsatz von 100 Prozent auf patentierte Pharmaprodukte verhängt, große Hersteller erhielten dafür eine Frist von 120 Tagen. Generika, Biosimilars und verwandte Wirkstoffe blieben ausgenommen.

Novo Nordisk hat sich gegen diesen Zoll auf patentierte Medikamente bereits teilweise abgesichert. Das Unternehmen gehört zu mehr als einem Dutzend großer Pharmakonzerne — darunter auch Eli Lilly und Pfizer —, die mit Trump Preisvereinbarungen getroffen haben. Im Gegenzug für niedrigere US-Preise, gekoppelt an günstigere Auslandspreise, sind diese Firmen drei Jahre lang von Zöllen befreit.

Sektor gerät unter Druck

Die Ankündigung der neuen Zoll-Zeitschiene hat pharmazeutische Aktien branchenweit verunsichert. Der Generika-Hersteller Sandoz verlor in Zürich zeitweise bis zu 4,2 Prozent. Auch Novo Nordisk wurde in dieser Woche mehrfach unter den fallenden Pharmawerten genannt.

Klage gegen Lilly belastet die Stimmung

Zusätzlichen Gegenwind liefert der Rechtsstreit mit Eli Lilly. Novo Nordisk hat die US-Konkurrentin vor einem Bundesgericht in New Jersey verklagt. Der Vorwurf: Lillys Werbekampagnen für die Adipositas-Spritze Zepbound und das Diabetes-Medikament Mounjaro seien irreführend.

Konkret wirft Novo Nordisk Lilly vor, dessen höchste zugelassene Dosen mit niedrigeren Dosen von Novos eigenen Präparaten Wegovy und Ozempic zu vergleichen — und dabei die eigenen höheren Dosierungen zu verschweigen. Die Klage ist eigentlich als offensiver Schritt gedacht, um die Wettbewerbsbedingungen anzugleichen. Der Markt liest sie jedoch anders: eher als Zeichen wachsenden Drucks im GLP-1-Geschäft denn als klaren Sieg im Wettbewerb.

Die Bank Citi bleibt bei ihrer neutralen Einstufung für die B-Aktie, hob das Kursziel aber leicht an — eine Anpassung, die dennoch nur begrenztes Aufwärtspotenzial signalisiert. Von den 24 Analysten, die den Titel abdecken, empfiehlt die Mehrheit weiterhin eine Halteposition.

Aktienrückkauf läuft trotz Kursschwäche weiter

Trotz Zoll- und Klagerisiko hält Novo Nordisk sein Kapitalrückgabeprogramm aufrecht. Seit dem 4. Februar 2026 hat das Unternehmen bis zum 17. Juli insgesamt knapp 25 Millionen B-Aktien zu einem Durchschnittskurs von 274,58 dänischen Kronen zurückgekauft. Das entspricht einem Transaktionswert von umgerechnet rund 6,85 Milliarden Kronen.

Damit hält Novo Nordisk mittlerweile 42,1 Millionen eigene B-Aktien, das sind 0,9 Prozent des Grundkapitals. Die aktuelle Tranche ist Teil eines größeren Rückkaufprogramms über bis zu 15 Milliarden Kronen, das noch bis Februar 2027 läuft.

Ausblick

Mit 42,27 Euro notiert die Aktie knapp fünf Prozent über ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 40,27 Euro — bleibt aber rund 31 Prozent unter ihrem Rekordhoch von 60,95 Euro vom Juli vergangenen Jahres. Novo Nordisk verteidigt seine Marktposition derzeit gleich an zwei Fronten: mit Preisabkommen in Washington und mit einer Klage gegen den härtesten Konkurrenten. Der nächste wichtige Termin für die Aktie ist der Quartalsbericht Anfang August, auf den sich der Markt bereits einstellt.

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