Ein Londoner Spin-off ohne Börsennotiz, zwei präklinische Wirkstoffkandidaten – und ein Preis, der selbst wohlwollende Analysten aufhorchen lässt. Novartis kauft das britische Biotechunternehmen Myricx Bio für bis zu 1,5 Milliarden US-Dollar und baut damit seine Onkologie-Pipeline weiter aus.
Der Basler Pharmakonzern zahlt 1,1 Milliarden Dollar direkt bei Vertragsabschluss. Weitere 400 Millionen Dollar sind an Meilensteine geknüpft. Der Deal soll in der zweiten Jahreshälfte 2026 abgeschlossen werden, vorbehaltlich der üblichen behördlichen Freigaben.
Neue Wirkstoffklasse gegen resistente Tumore
Myricx entwickelt Antikörper-Wirkstoff-Konjugate, kurz ADCs – Krebsmedikamente, die toxische Wirkstoffe gezielt in Tumorzellen einschleusen und dabei gesundes Gewebe schonen sollen. Das Besondere am Ansatz des 2019 gegründeten Unternehmens: Er soll auch bei Tumoren wirken, die gegen bestehende Therapien bereits resistent geworden sind. Die beiden präklinischen Leitkandidaten richten sich gegen die Krebsziele B7-H3 und HER2, dazu kommt eine Technologieplattform mit Potenzial für weitere Tumorarten.
Myricx ist ein Spin-off des Imperial College London und des Francis Crick Institute. In einer Finanzierungsrunde 2025 sammelte das Unternehmen umgerechnet rund 96 Millionen Franken ein, unter anderem von Novo Holdings, Eli Lilly und Sofinnova Partners.
Analysten sehen Strategie, aber auch Risiko
Die Reaktionen der Banken fallen unterschiedlich aus. Vontobel bewertet die Übernahme als strategisch sinnvolle Stärkung der Onkologie-Pipeline, hält den Kaufpreis für eine Plattformtechnologie ohne fortgeschrittene klinische Daten aber für ungewöhnlich hoch. Die ZKB sieht darin einen konsequenten Schritt, die Onkologie über die bisherigen Radioligandentherapien hinaus zu erweitern, und rechnet in den kommenden Quartalen mit weiteren Zukäufen in diesem Bereich – Novartis habe seit Jahresbeginn gezielt neue Onkologietechnologien eingesammelt.
An der Börse blieb die Reaktion verhalten: Die Aktie bewegte sich am Montagvormittag kaum vom Fleck. Für den Konzern zählt an dieser Stelle weniger der Tageskurs als die Frage, ob sich die milliardenschwere Wette auf eine noch unerprobte Technologie mittelfristig auszahlt.
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