Novartis hat im zweiten Quartal 2026 den Umsatz wieder gesteigert – allerdings zu einem Preis, der sich auf der Gewinnseite deutlich bemerkbar macht. Der Konzern meldete am 21. Juli einen Erlös von 14,4 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 3 Prozent im Jahresvergleich. Währungsbereinigt fiel das Wachstum mit 1 Prozent deutlich schwächer aus. Der Reingewinn brach dagegen um 19 Prozent auf 3,2 Milliarden US-Dollar ein. Als Gründe nannte Novartis eine höhere Steuerquote sowie gestiegene Zinsaufwendungen.
Kisqali und Kesimpta kompensieren Entresto-Verluste
Der Umsatzsprung wurde maßgeblich von den beiden Fokusmedikamenten Kisqali und Kesimpta getragen. Das Brustkrebsmittel Kisqali legte währungsbereinigt um 43 Prozent zu, das Multiple-Sklerose-Präparat Kesimpta um 32 Prozent. Beide Zuwächse mussten jedoch einen massiven Einbruch beim einstigen Zugpferd Entresto auffangen: Das Herzmittel, das seit dem Patentablauf unter Generikakonkurrenz leidet, verlor 51 Prozent seines Umsatzes und kam nur noch auf 1,18 Milliarden US-Dollar. Trotz der Gewinnbelastung bestätigte das Management die Prognose für das Gesamtjahr 2026 und rechnet weiterhin mit einem Nettoumsatzwachstum im niedrigen einstelligen Prozentbereich.
Pipeline wächst durch Zulassungen und Zukauf
Parallel zu den Zahlen baute Novartis seine Produktpalette und Pipeline weiter aus. Die Europäische Kommission erteilte im Berichtsquartal die Zulassung für Rhapsido (Remibrutinib) gegen chronische spontane Urtikaria sowie für die Gentherapie Itvisma. Bereits am 17. Juli hatte die US-Arzneimittelbehörde FDA dem Wirkstoff Fabhalta (Iptacopan) die vollständige Zulassung zur Behandlung der primären IgA-Nephropathie erteilt. Im gleichen Monat unterzeichnete Novartis zudem eine Vereinbarung zur Übernahme des britischen Biotech-Unternehmens Myricx Bio für 1,5 Milliarden US-Dollar. Die Akquisition soll die Onkologie-Pipeline im Bereich der Antikörper-Wirkstoff-Konjugate stärken.
Auch bei der Kapitalrückführung blieb der Konzern aktiv: Im ersten Halbjahr 2026 kaufte Novartis insgesamt 18,2 Millionen eigene Aktien für 2,8 Milliarden US-Dollar zurück. Davon entfielen 13,8 Millionen Stück auf das im Juli 2025 gestartete Rückkaufprogramm über 10 Milliarden US-Dollar.
Analysten reagieren verhalten auf die Zahlen
Die Reaktionen der Analysehäuser fielen nach den Quartalszahlen uneinheitlich aus. Bernstein Research hob am 22. Juli das Kursziel von 125,00 auf 132,84 Franken an, beließ die Einstufung jedoch bei „Market-Perform“. Die DZ Bank erhöhte am selben Tag den fairen Wert von 124 auf 130 Franken bei unveränderter Einstufung „Halten“. Jefferies-Analyst Michael Leuchten bestätigte am 23. Juli seine „Hold“-Einschätzung mit einem Kursziel von 110 Franken und verwies auf die Bewertung sowie auf Risiken im Vorfeld anstehender Studiendaten. Eine automatisierte Fair-Value-Einordnung von Morningstar bezifferte die Aktie zum gleichen Zeitpunkt als leicht überbewertet. Bereits am 17. Juli hatte die Deutsche Bank Research ihr „Kaufen“-Rating mit einem Kursziel von 140 Franken bestätigt.
Kursreaktion und Ausblick
An der Börse notierte die Novartis-Aktie zuletzt bei 136,10 Euro und gab damit im Tagesverlauf um 0,85 Prozent nach. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von 15,16 Prozent zu Buche. Zum 52-Wochen-Hoch von 144,30 Euro, erreicht Ende Februar, fehlen der Aktie aktuell 5,68 Prozent. Die nächste Gelegenheit, die Wachstumsstrategie unter Beweis zu stellen, bietet sich am 27. Oktober 2026, wenn Novartis die Ergebnisse zum dritten Quartal und zu den ersten neun Monaten des Jahres vorlegt.
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