Novartis hat mit den am 21. Juli 2026 vorgelegten Zahlen zum zweiten Quartal die Markterwartungen klar übertroffen. Das Core-Ergebnis je Aktie lag mit 2,41 US-Dollar rund 10 bis 12 Prozent über dem Analystenkonsens. Der Basler Pharmakonzern kehrte damit trotz massiver Generikakonkurrenz beim Herzmedikament Entresto zu Umsatzwachstum zurück – ein Signal, das die Aktie am Markt spürbar stützt. Sie notiert aktuell bei 137,12 Euro und legt im Tagesverlauf um 1,35 Prozent zu.
Neue Medikamentengeneration kompensiert Entresto-Einbruch
Der Nettoumsatz stieg im zweiten Quartal um 1 Prozent auf 14,41 Milliarden US-Dollar, während das operative Kernergebnis mit 5,94 Milliarden US-Dollar stabil blieb – und damit deutlich über den zuvor erwarteten rund 5,3 Milliarden US-Dollar lag. Möglich wurde das durch eine neue Generation von Kernmarken: Kisqali legte um 43 Prozent zu, Kesimpta um 32 Prozent, Scemblix sogar um 89 Prozent und Pluvicto um 43 Prozent, jeweils zu konstanten Wechselkursen. CEO Vas Narasimhan verwies auf diese Zuwächse, die den Umsatzrückgang von 51 Prozent bei Entresto infolge des Patentablaufs und der einsetzenden Generikakonkurrenz auffangen konnten.
Für das Gesamtjahr 2026 bekräftigte Novartis seine Guidance: Der Nettoumsatz soll im niedrigen einstelligen Prozentbereich wachsen, während das operative Kernergebnis im niedrigen einstelligen Prozentbereich zurückgehen dürfte. Diese Diskrepanz zwischen starkem Produktwachstum und vorsichtiger Ergebnisprognose bildet den Kern der aktuellen Debatte unter Analysten.
Zulassung für Fabhalta und Zukauf in der Onkologie
Ergänzend zur Quartalsbilanz kam Mitte Juli eine regulatorische Nachricht hinzu: Die US-Gesundheitsbehörde FDA erteilte Fabhalta (Iptacopan) die traditionelle Zulassung zur Verlangsamung des Nierenfunktionsverlusts bei Patienten mit primärer IgA-Nephropathie. Bereits Anfang Juli hatte Novartis zudem die Übernahme des britischen Biotech-Unternehmens Myricx Bio für einen Gesamtwert von bis zu 1,5 Milliarden US-Dollar bekanntgegeben. Ziel ist es, die konzerneigene Plattform für Antikörper-Wirkstoff-Konjugate in der Onkologie auszubauen – ein weiterer Baustein in der Pipeline-Strategie des Unternehmens.
Analysten sehen Aktie nach der Rally als fair bewertet
Trotz der starken Zahlen fallen die Reaktionen der Analysten verhalten aus. Bernstein Research hob das Kursziel am 22. Juli von 125,00 auf 132,84 Schweizer Franken an, beließ die Einstufung aber bei „Market-Perform“. Analyst Justin Smith begründete den Schritt mit angehobenen Ergebnisschätzungen für den Zeitraum 2026 bis 2031, gestützt auf die starke Margenentwicklung. Die DZ Bank erhöhte am selben Tag den fairen Wert von 124 auf 130 Franken, beließ die Einstufung jedoch auf „Halten“; Analyst Elmar Kraus verwies auf die hohe Wachstumsdynamik der neuen Medikamentengeneration.
Noch zurückhaltender äußerten sich Jefferies und Morningstar am 23. Juli. Jefferies-Analyst Michael Leuchten bestätigte die Einstufung „Hold“ bei einem Kursziel von 110 Schweizer Franken und bezeichnete die Aktie nach den Zahlen als fair bewertet, verwies zugleich auf Risiken im Vorfeld anstehender Studiendaten im zweiten Halbjahr. Morningstar-Analyst Jay Lee stufte das Papier als leicht überbewertet ein und setzte den Fair Value auf 109 Franken fest. Er begründete dies mit teilweise temporären positiven Effekten im zweiten Quartal, die sich in der zweiten Jahreshälfte umkehren könnten.
Kurs nähert sich altem Rekordniveau
Die Marktreaktion auf die Zahlen fällt bislang positiv aus, auch wenn die Aktie noch 4,98 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch vom 27. Februar 2026 notiert. Die kommenden Monate dürften zeigen, ob sich die Skepsis der Analysten bestätigt oder ob die neue Produktgeneration die Erwartungen weiter übertrifft. Anleger blicken bereits auf den 27. Oktober 2026, wenn Novartis die Ergebnisse zum dritten Quartal vorlegt, sowie auf die Investorenkonferenz „Meet Novartis Management“ Mitte November in London.
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