Für Novartis-Aktionäre wird es diese Woche ungemütlich. Binnen weniger Tage meldet der Schweizer Pharmakonzern bereits den dritten Rückschlag in der Pipeline. Die Aktie büßte am Dienstag rund sechs Prozent ein, nachdem sie schon am Vortag wegen des gescheiterten Herzmedikaments Pelacarsen unter Druck geraten war.
Diesmal trifft es Del-desiran, einen Wirkstoff gegen die Muskelkrankheit myotone Dystrophie Typ 1. In der Phase-3-Studie Harbor verfehlte das Medikament seinen primären Endpunkt: Gemessen wurde, wie lange rund 150 Patienten über 54 Wochen benötigten, um ihre Hand nach dem Greifen wieder zu öffnen — ein Indikator für die typische Muskelsteifigkeit der Erkrankung. Gegenüber Placebo zeigte sich hier keine statistisch signifikante Verbesserung.
Avidity-Übernahme unter Rechtfertigungsdruck
Del-desiran gehört zu drei Therapien, die Novartis über die zwölf Milliarden Dollar schwere Übernahme von Avidity Biosciences in die Pipeline geholt hatte. Ein Analyst hatte bereits vor der Studie gewarnt, die Harbor-Daten müssten „liefern“ — nur so lasse sich der hohe Kaufpreis rechtfertigen.
Bei sekundären Endpunkten zeigte der Wirkstoff immerhin Hinweise auf klinische Wirksamkeit, auch die Sicherheitsdaten blieben im Rahmen früherer Studien. Wie es mit dem Medikament weitergeht, ist offen — Novartis will zunächst den vollständigen Datensatz auswerten und dann mit den Gesundheitsbehörden über den weiteren Weg sprechen.
Der Konzern hält trotz der Häufung an Rückschlägen an seiner mittelfristigen Prognose fest: Für den Zeitraum 2025 bis 2030 erwartet Novartis weiterhin ein jährliches Umsatzwachstum von fünf bis sechs Prozent.
Operativ zeigt sich das Unternehmen zweigeteilt — im zweiten Quartal wuchsen Kisqali, Scemblix, Kesimpta und Pluvicto kräftig, während die Erlöse mit dem einstigen Kassenschlager Entresto wegen Generikakonkurrenz in den USA etwa halbierten. Der Reingewinn sank im Quartal wegen höherer Steuern und Zinskosten um 19 Prozent auf 3,26 Milliarden Dollar.
Zusätzlich pausiert Novartis derzeit mehrere Studien zur Zelltherapie rap-cel gegen Autoimmun- und neurologische Erkrankungen — nach Todesfällen bei Studienteilnehmern. Als Schweizer Schwergewicht zog die Aktie am Dienstag auch den Leitindex SMI deutlich nach unten.
Hoffnung liefert vor allem Remibrutinib: In zwei Phase-3-Studien senkte der Wirkstoff die Schubrate bei Multipler Sklerose stärker als der Vergleichswirkstoff Teriflunomid. Novartis plant hierzu weltweite Zulassungsanträge. Ob diese Pipeline-Hoffnung reicht, um die Serie an Rückschlägen bei Anlegern zu relativieren, dürfte sich erst mit den nächsten Studienmeldungen zeigen.
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