Novartis hat die Entwicklung des TREM2-Antikörpers lifonebart (VHB937) bei amyotropher Lateralsklerose eingestellt. Die Phase-2-Studie ASTRALS mit 251 Patienten in früher Krankheitsphase verfehlte nach 40 Wochen sowohl den primären als auch die sekundären Endpunkte. Konkrete Zahlen will der Konzern erst beim ALS/MND-Symposium Anfang Dezember in Amsterdam vorlegen. Der Konzern bestätigte den Studienabbruch gegenüber Reuters.
Damit reiht sich lifonebart in eine Serie von Rückschlägen aus der Neurologie-Pipeline ein. Bereits am 15. September war die Phase-2-Studie SEALS des Partnerkandidaten NX210c von Axoltis gescheitert, und Anfang September hatte Novartis binnen weniger Tage zwei größere Fehlschläge hinnehmen müssen: Der Lp(a)-Senker pelacarsen verpasste in der Phase-3-Studie Lp(a)HORIZON trotz gesenkter Lipoprotein(a)-Werte das Ziel, kardiovaskuläre Ereignisse zu reduzieren.
Wenige Tage später scheiterte auch del-desiran bei myotoner Dystrophie Typ 1 in der Phase-3-Studie HARBOR. Diese Rückschläge liegen inzwischen rund zwei Wochen zurück, der Kurs hat sich seither um 3,6 Prozent erholt.
Alzheimer-Programm bleibt unberührt
Anders als bei ALS läuft das Alzheimer-Programm mit demselben Wirkstoffansatz weiter, wie Novartis mitteilte. Der Konzern trennt damit gezielt zwischen Indikationen, statt die gesamte TREM2-Plattform aufzugeben. Für Anleger ist das ein Signal, dass der jüngste Rückschlag enger begrenzt ist als frühere Studienausfälle im September.
Auf die ALS-Nachricht reagierte die Aktie nur verhalten, nachdem sie nach dem pelacarsen-Fehlschlag zeitweise rund drei Prozent verloren hatte. Vorbörslich notiert das Papier bei 122,98 Euro, kaum verändert gegenüber dem gestrigen Schlusskurs von 122,96 Euro.
Der Kurs bleibt damit rund 15 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 144,30 Euro aus dem Februar und liegt etwa sieben Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 132,18 Euro – ein Zeichen, dass die Erholung der vergangenen Woche den mittelfristigen Abwärtstrend noch nicht gebrochen hat.
Konzern hält an Wachstumszielen fest
Parallel zu den Studienausfällen treibt Novartis seine Portfoliobereinigung voran. Ein Novartis-Sprecher räumte ein, dass Übernahmen grundsätzlich Risiken bergen.
Gleichzeitig investiert der Konzern weiter in neue Technologien: Für 125 Millionen US-Dollar sicherte sich Novartis von der Biotechfirma Sironax die globalen Rechte an einer Plattform, die Wirkstoffe gezielt über die Blut-Hirn-Schranke transportieren soll – ein Baustein für künftige Therapien gegen neurologische und seltene Hirnerkrankungen.
Trotz der Häufung negativer Studienmeldungen hält Novartis an seiner mittelfristigen Prognose fest: Für den Zeitraum 2025 bis 2030 peilt der Konzern weiterhin ein jährliches Umsatzwachstum von 5 bis 6 Prozent an.
Barclays bezifferte das Spitzenumsatzpotenzial des gescheiterten del-desiran zuvor auf rund 3,1 Milliarden US-Dollar bei einer geschätzten Erfolgswahrscheinlichkeit von 60 Prozent – ein Hinweis darauf, wie viel Pipeline-Wert allein in diesem einen Kandidaten steckte. Die aktuelle Serie an Rückschlägen dürfte den Blick der Anleger in den kommenden Wochen verstärkt auf die verbleibenden Spätphasen-Programme lenken.
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