Novartis Aktie: Aktionäre fordern Board-Umgestaltung

Symbolbild, KI-generiert

Drei klinische Rückschläge, gesenkte Kursziele und Kritik von Aktionären setzen Novartis unter Druck und rücken die Übernahmestrategie ins Zentrum.

Auf einen Blick:
  • Drei klinische Rückschläge binnen weniger Tage
  • Avidity-Kernprodukt verfehlt zentrale Studie
  • Deutsche Bank senkt Kursziel auf 120 Franken
  • Aktionäre verlangen Veränderungen im Verwaltungsrat

Drei klinische Rückschläge innerhalb weniger Tage – das ist für mich keine Serie unglücklicher Zufälle mehr, sondern ein Muster, das Fragen an die Führung von Novartis aufwirft.

Erst stoppte der Konzern acht Studien mit der CAR-T-Zelltherapie Rapcabtagen Autoleucel nach drei Todesfällen, dann scheiterte die Phase-III-Studie Lp(a)HORIZON mit dem Lipoprotein-a-Senker Pelacarsen am primären Endpunkt, und schließlich verfehlte Del-Desiran, das Kernstück der zwölf Milliarden Dollar teuren Avidity-Übernahme, seine zentrale Studie Harbor.

Am 8. September brach die Aktie um 10,9 Prozent ein – der größte Tagesverlust seit 2020, der sogar den SNB-Schock von 2015 und den Corona-Crash von 2020 übertraf.

Wenn der Markt die Kapitalallokation infrage stellt

Was diesen Fall für mich von einem gewöhnlichen Studienrückschlag unterscheidet, ist die Reaktion der eigenen Aktionäre. James Eugene von Verso Investment Management nannte Del-Desiran ein „Must-Win“ für Novartis – und der Ausfall beschädige das Vertrauen in die gesamte Akquisitionsstrategie des Konzerns.

Noch schärfer wird David Samra von Artisan Partners: Er fordert eine Umgestaltung des Boards und verweist zusätzlich auf die 2024er Übernahme von MorphoSys, die Novartis Monate später abschreiben musste.

Wenn langjährige Aktionäre öffentlich die Corporate Governance infrage stellen, ist das mehr als übliche Investoren-Nervosität. Es ist ein Signal, dass die Kapitalallokation des Managements selbst zur Diskussion steht.

Ich halte diese Kritik für berechtigt. Eine Milliardenübernahme, deren Bewertung maßgeblich auf einem einzigen klinischen Ergebnis fußte, das dann nicht eintrat, wirft grundsätzliche Fragen zur Due-Diligence-Praxis auf. Vontobel strich nach dem Fehlschlag erwartete Spitzenumsätze von drei Milliarden Dollar für Del-Desiran komplett aus dem Bewertungsmodell – ein Beleg dafür, wie zentral dieses eine Präparat für die Investitionsthese war.

Die Analystenreaktion bestätigt die Skepsis

Am 9. September senkte die Deutsche Bank Research ihr Kursziel für Novartis von 140 auf 120 Franken und stufte die Aktie von „Buy“ auf „Hold“ zurück. RBC Capital Markets bewertete das Papier am selben Tag mit „Sector Perform“ und ebenfalls einem Kursziel von 120 Franken.

Dass zwei Häuser binnen eines Tages ihre Einschätzung nach unten anpassen, spricht dafür, dass die Rückschläge nicht als vorübergehende Störung, sondern als strukturelles Problem gewertet werden.

Der Blick auf die Marktdaten untermauert dieses Bild. Die Aktie notiert aktuell rund 18 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch und liegt zugleich etwa 12 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt – ein deutliches Zeichen dafür, dass der jüngste Kurssturz keine kurzfristige Verwerfung war, sondern den mittelfristigen Trend gebrochen hat.

Der Relative-Stärke-Index von 29,3 signalisiert eine überverkaufte Aktie, was rein technisch für eine Gegenbewegung sprechen könnte – für mich ist das aber kein Ersatz für eine fundamentale Neubewertung der Pipeline-Risiken.

Mein Fazit: Governance-Frage wiegt schwerer als einzelne Studienergebnisse

Für mich überwiegt derzeit die Sorge, dass Novartis ein strukturelles Problem bei der Bewertung und Integration von Übernahmen hat, nicht nur eine Häufung schlechter klinischer Nachrichten.

Die Kombination aus MorphoSys-Abschreibung und dem gescheiterten Avidity-Kernprodukt lässt sich nicht mehr als Pech abtun. Wenn Aktionäre wie Samra öffentlich eine Board-Erneuerung fordern, dürfte der Druck auf das Management in den kommenden Wochen eher zunehmen als abklingen.

Die stark gesunkenen Kursziele der Analysten und die massive charttechnische Verschlechterung sprechen dafür, dass sich das Vertrauen der Investoren nicht kurzfristig zurückgewinnen lässt – dafür braucht es aus meiner Sicht handfeste Antworten auf die Governance-Frage, nicht nur neue Studienergebnisse.

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