Nordnet liefert im dritten Quartal das zweitbeste Ergebnis der Firmengeschichte. Der Markt reagiert trotzdem verhalten: Die Aktie gab im frühen Handel leicht nach. Offenbar wiegen die Anleger den starken Gewinn gegen ein Kundenwachstum ab, das unter den eigenen Zielen liegt.
Gewinn wächst schneller als die Kosten
Der operative Gewinn stieg um 24 Prozent auf 1,096 Milliarden schwedische Kronen. Die Erlöse legten um 18 Prozent auf 1,55 Milliarden Kronen zu, während die Kosten nur um 12 Prozent auf 450 Millionen Kronen wuchsen. Die Cost-to-Income-Ratio liegt bei 29 Prozent. Der Gewinn je Aktie nach Verwässerung kletterte auf 3,50 Kronen, nach 2,81 Kronen im Vorjahr.
Alle drei Ertragssäulen trugen bei. Die Zinserträge zogen um knapp 20 Prozent an, was das Management als Rückkehr auf einen Wachstumspfad beschreibt. Das fondsbezogene Geschäft wuchs um 31 Prozent. Das Transaktionsgeschäft profitierte vom grenzüberschreitenden Handel, der höhere Margen abwirft. Die Zahl der Trades blieb dabei nahezu unverändert, der Erlös je Trade stieg.
Kundenwachstum unter Zielmarke
Nordnet gewann im Quartal rund 64.000 Neukunden und zählt nun 2,57 Millionen Kunden. Das Plus von 12 Prozent bleibt allerdings unter dem mittelfristigen Ziel von 13 bis 15 Prozent jährlich. Das Management verweist auf saisonale Effekte im Sommer.
Das verwaltete Sparvermögen erreichte mit 1,459 Billionen Kronen einen Rekord, 28 Prozent über Vorjahr. Die Nettoeinlagen wuchsen um 23 Prozent. Die Einlagenquote ist mit 6,6 Prozent des Sparkapitals niedrig, weil viel Geld direkt in Aktien und Fonds fließt. Das stützt den Handel, begrenzt aber den Spielraum bei den Zinserträgen, falls die Märkte drehen.
Deutschland-Start im November
Im Zentrum des Ausblicks steht der Markteintritt in Deutschland, der erste Schritt außerhalb des nordischen Raums. Der Start ist für November geplant, zunächst mit Aktien und ETFs. Rentenprodukte sollen im Januar 2027 folgen, eine größere Marketingkampagne im ersten Halbjahr 2027. Für 2026 rechnet Nordnet mit Kosten von 80 bis 90 Millionen Kronen für das Projekt.
Konkrete Zielgrößen für Deutschland nennt das Unternehmen nicht. Erste Kennzahlen sollen mit den Zahlen zum vierten Quartal kommen.
Daneben treibt Nordnet weitere Projekte voran: eigene ETFs Anfang 2027, ein Private-Banking-Gemeinschaftsunternehmen mit ABG Sundal Collier und ein Research-Portal mit Citi.
Kapital stark, AT1 wird abgelöst
Die harte Kernkapitalquote liegt bei 18,1 Prozent, die Mindestanforderung bei 11,0 Prozent. Im November will Nordnet AT1-Kapital über 600 Millionen Kronen zurückzahlen und nicht ersetzen. Das laufende Aktienrückkaufprogramm über 250 Millionen Kronen läuft seit September. Die Dividende von 8,60 Kronen je Aktie entsprach einer Ausschüttungsquote von 70 Prozent, an der das Unternehmen festhält.
Für das Gesamtjahr peilt Nordnet Zinserträge von rund 2,7 Milliarden Kronen an. Den ersten Test für die Deutschland-Strategie liefert der Bericht zum vierten Quartal.
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