Neue Bestellungen und eine vorsichtige Analystenbewertung zeichnen bei Nordex unterschiedliche Bilder. RBC bestätigte am Freitag vor den Quartalszahlen seine Einstufung „Underperform“. Die Aktie gewann am selben Handelstag 3,8%. Für Anleger liegt die entscheidende Unterscheidung zwischen dem Auftragseingang und den Risiken, die das Analysehaus für das Deutschlandgeschäft sieht.
RBC setzt einen anderen Schwerpunkt
Wie dpa-AFX berichtete, beließ RBC das Kursziel am Freitag bei 36 Euro. Analyst Mark Fielding verwies in einer Sektorstudie auf Risiken durch politische Vorgaben für das Deutschlandgeschäft von Nordex. Seine Einschätzung richtet den Blick damit auf einen anderen Punkt als die jüngsten Meldungen über neue Windenergieprojekte.
Die Auftragsmeldungen dokumentieren konkrete Bestellungen. Fieldings Bewertung betrifft dagegen politische Risiken. Beides lässt sich nicht unmittelbar gegeneinander aufrechnen: Ein neuer Vertrag ist ein operativer Fortschritt, widerlegt aber für sich genommen keine Bedenken zu den Rahmenbedingungen eines anderen Geschäftsgebiets.
Verträge reichen über die Anlagenlieferung hinaus
In der vergangenen Woche meldete Nordex neue Türkei-Aufträge über insgesamt 389 MW für 56 Windenergieanlagen der Delta4000-Serie. Die Verträge umfassen Lieferung und Errichtung sowie mehrjährige Service- und Wartungsleistungen.
Für die Einordnung ist gerade dieser Leistungsumfang wichtig. Die Bestellungen beschränken sich nicht auf die Lieferung der Anlagen. Auch deren Betreuung ist Bestandteil der Vereinbarungen. Damit enthalten die Meldungen mehr als reine Kapazitätsangaben.
Am Dienstag hatte Nordex außerdem Aufträge aus Süd-, Mittel- und Osteuropa über rund 228 MW veröffentlicht. Vorgesehen sind 35 Windenergieanlagen. Die vereinbarten Serviceleistungen haben Laufzeiten von bis zu 25 Jahren.
Auch das österreichische Repowering-Projekt Auersthal RI gehört in diesen Zusammenhang. Auftraggeber ist WEB Windenergie AG. Nordex übernimmt dort ebenfalls die Lieferung und Errichtung der Anlagen sowie langfristige Serviceleistungen.
Die am 1. Oktober veröffentlichte Bestellung umfasst 56 MW. Die Inbetriebnahme ist für 2028 vorgesehen.
Nächster Prüfpunkt ist der Quartalsauftragseingang
Für den 12.10.2026 hat Nordex die Veröffentlichung seiner Auftragseingangsmeldung für das dritte Quartal 2026 angekündigt. Dieser Termin lenkt den Blick von einzelnen Projekten auf den Auftragseingang des Quartals.
Die Oktober-Meldungen und der angekündigte Quartalsbericht betreffen unterschiedliche Zeiträume. Die neuen Verträge dürfen deshalb nicht ohne Weiteres als Bestandteil des Berichts zum dritten Quartal behandelt werden. Für Anleger bleibt die Bewertung zweigeteilt: Konkrete Bestellungen stehen einer ausdrücklich vorsichtigen Analysteneinschätzung gegenüber. Das Kursplus vom Freitag allein löst diesen Gegensatz nicht auf.
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