Nordex gab gestern trotz eines neuen Großauftrags und angehobener Margenerwartungen nach. Die Tagesveränderung betrug -2,0%. Im Branchenumfeld belastet Medienberichten zufolge die anhaltende Unsicherheit rund um US-Section-232 die Windwerte. Nordex und Vestas notierten bereits im frühen Handel schwach. Der Branchenfaktor lässt sich damit allerdings nicht als eindeutige Ursache des gesamten Tagesverlusts einordnen.
Für Anleger stehen somit zwei unterschiedliche Entwicklungen nebeneinander: einem schwachen Börsenumfeld stehen positive Unternehmensnachrichten gegenüber. Der neue Auftrag erweitert die geografische Präsenz von Nordex. Zugleich sprechen die vorläufigen Geschäftszahlen für eine höhere Profitabilität als bislang vom Unternehmen erwartet.
Neuseeland-Auftrag verbindet Anlagen und Service
Am Donnerstag meldete Nordex den ersten Auftrag aus Neuseeland. Mercury bestellte für den Windpark Puke Kapo Hau insgesamt 40 Windenergieanlagen mit einer Leistung von zusammen 192 MW. Hinzu kommt ein Servicevertrag über 30 Jahre.
Der Auftrag umfasst damit nicht nur die Lieferung von Turbinen. Nordex vereinbarte zugleich eine langfristige Betreuung der Anlagen. Für die Einordnung ist diese Kombination wichtiger als der reine Markteintritt: Neben dem Projektgeschäft ist auch das Servicegeschäft Bestandteil der neuen Kundenvereinbarung.
Gerade der Service hatte nach Unternehmensangaben zur verbesserten Ergebnisentwicklung beigetragen. Nordex nannte höhere Margen in diesem Geschäft als einen Grund für die Anhebung des Jahresausblicks. Hinzu kamen eine starke Projektperformance und weniger stark realisierte Projektrisiken.
Höhere Profitabilität prägt den Ausblick
Für das dritte Quartal 2026 erwartet Nordex vorläufig und ungeprüft ein EBITDA von rund 278 Mio. Euro. Die EBITDA-Marge soll 12,7 % erreichen.
Damit geht es bei der positiven operativen Entwicklung nicht allein um zusätzliche Aufträge. Die Unternehmensangaben verweisen auch auf eine verbesserte Ertragskraft bei der Umsetzung des Geschäfts.
Den Quartalsumsatz bezifferte Nordex vorläufig auf rund 2.187 Mio. Euro. Der Free Cashflow soll 379 Mio. Euro betragen.
Als Konsequenz hob Nordex die EBITDA-Margenprognose an. Die übrigen Elemente des Jahresausblicks ließ das Unternehmen unverändert.
Für das Gesamtjahr 2026 erwartet Nordex jetzt eine EBITDA-Marge von 11,5–12,5 %. Zuvor hatte der Zielkorridor bei 8,0–11,0 % gelegen.
Analysten reagieren auf die Ergebnisverbesserung
Die höhere Margenerwartung fand auch bei Analysten Zustimmung. Dabei bezogen sich die jüngsten Kurszielanhebungen ausdrücklich auf die vorläufigen Zahlen und den verbesserten Ausblick.
Berenberg erhöhte das Kursziel am Montag von 58 auf 61 Euro und bestätigte die Kaufempfehlung. Laut dpa-AFX begründete Analyst Richard Dawson dies unter anderem mit der angehobenen Margenprognose und dem robusten Projektgeschäft.
Auch Jefferies reagierte positiv auf die operative Entwicklung. Analyst Constantin Hesse verwies auf die Quartalszahlen und die Prognoseanhebung.
Das Haus erhöhte sein Kursziel am 16. Oktober von 60 auf 63 Euro und bestätigte ebenfalls die Kaufempfehlung.
Der nächste Prüfstein folgt am 5. November mit den vollständigen Ergebnissen für das dritte Quartal 2026. Dann stehen die Details hinter der bereits angekündigten Ergebnisverbesserung im Mittelpunkt. Der jüngste Kursrückgang ändert zunächst nichts an der angehobenen Margenerwartung.
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