Nokia bestätigt den Termin für die Zahlen zum zweiten Quartal: Donnerstag, der 23. Juli 2026. Die Ankündigung kommt zur Unzeit. Die Aktie fällt am Donnerstag um 4,12 Prozent auf 9,44 Euro und setzt damit einen Abwärtstrend fort, der Anleger zunehmend nervös macht.
Der finnische Telekomkonzern kündigt den Bericht für rund 8:00 Uhr finnischer Zeit an. Den Analysten-Webcast verschiebt Nokia auf 15:00 Uhr am selben Tag. Der Markt wartet vor allem auf eine Antwort: Schlägt sich der jüngste Schwung bei KI-Infrastruktur und Cloud-Aufträgen tatsächlich in den Finanzzahlen nieder?
Der Ausverkauf hat einen konkreten Grund
Binnen sieben Handelstagen verliert die Nokia-Aktie 16,72 Prozent an Wert. Das ist kein diffuses Störgefühl der Anleger, sondern hat einen klaren Auslöser: Laut aktuellen Konsensschätzungen muss Nokia mehr als 70 Prozent des für 2026 erwarteten operativen Jahresgewinns im zweiten Halbjahr erwirtschaften.
Das Management hatte für den Zyklus 2025/2026 ein vergleichbares operatives Ergebnis zwischen 2,0 und 2,5 Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Zeigt der Bericht am 23. Juli Schwächen, wecke das Zweifel, ob die nötige Erholung im dritten und vierten Quartal überhaupt noch erreichbar ist, warnen Analysten.
KI-Aufträge boomen, Margen hinken hinterher
Dabei läuft es in Nokias Wachstumssegmenten keineswegs schlecht. Im ersten Quartal 2026 meldet der Konzern rund eine Milliarde Euro an Festaufträgen für KI- und Cloud-Produkte – ein deutlicher Sprung gegenüber dem Vorjahr.
Das Problem liegt woanders. Hohe Investitionen in Forschung und Entwicklung sowie Engpässe in der Lieferkette bremsen aktuell die Margenausweitung, so Marktbeobachter. Für das zweite Quartal rechnen Analysten mit einem Umsatz von etwa 4,825 Milliarden Euro und einem Gewinn je Aktie von rund 0,051 Euro.
Charttechnik zeigt überverkaufte Aktie
Mit dem aktuellen Kurs von 9,44 Euro liegt Nokia 36,91 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 14,97 Euro, das der Titel erst am 3. Juni 2026 erreicht hatte. Der Relative-Stärke-Index ist auf 34,5 gefallen und nähert sich damit dem überverkauften Bereich.
Trotz der Korrektur sichert sich Nokia weiter strategische Partnerschaften im Bereich AI-RAN. Der Markt verlangt jedoch etwas anderes: handfeste Belege, dass sich die Auftragsflut auch in Umsatz übersetzt, bevor er die Aktie mit einer höheren Bewertung belohnt.
Der 23. Juli wird damit zur Weichenstellung für das dritte Quartal. Fällt die Zahl zu schwach aus, dürfte die Debatte um die ambitionierte Gewinn-Guidance für das zweite Halbjahr neu entfachen.
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