Nokia legt bessere Quartalszahlen als erwartet vor. Trotzdem verkaufen Anleger die Aktie im großen Stil. Der Grund: eine drastisch aufgestockte Restrukturierung und ein tiefroter Cashflow.
Die Aktie brach am Donnerstag um 5,34 Prozent ein und schloss bei 8,61 Euro. Damit liegt der Kurs mittlerweile 26,49 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 11,72 Euro. Der RSI von 32,6 signalisiert eine fast überverkaufte Aktie.
Sparprogramm verdreifacht sich fast
Im Quartalsbericht vom 23. Juli überraschte Nokia mit einer massiven Anpassung seiner Kostenpläne. Statt der bisher angepeilten 250 Millionen Euro rechnet der Konzern nun mit rund 800 Millionen Euro an Restrukturierungskosten für das gesamte Jahr 2026. CEO Justin Hotard, Nachfolger von Pekka Lundmark, begründet den Schritt mit der Suche nach „zusätzlichen Produktivitätsgewinnen“.
Besonders Europa dürfte den Sparkurs zu spüren bekommen. Hotard bringt Vorruhestandsregelungen und weitere Maßnahmen ins Spiel, die an verschiedenen europäischen Standorten mehr als 2.000 Stellen kosten könnten. Der Konzern nennt das selbst „Nips and Tucks“ – kleine Einschnitte mit großer Wirkung, die den Umbau in Richtung Wachstumssegmente beschleunigen sollen.
KI-Boom trifft auf Cash-Problem
Abseits der Sparpläne läuft das Geschäft in den neuen Sparten glänzend. Der Auftragseingang von KI- und Cloud-Kunden erreichte im zweiten Quartal 2,8 Milliarden Euro. Der Umsatz mit dieser Kundengruppe stieg um 105 Prozent auf 446 Millionen Euro.
Auch die klassische Netzwerksparte zieht an. Die Netzinfrastruktur wuchs währungsbereinigt um 12 Prozent, angetrieben von einem Plus von 20 Prozent bei optischen Netzwerken und 16 Prozent bei IP-Netzwerken.
Das starke Auftragswachstum zeigt sich bislang jedoch nicht im Cashflow. Nokia meldete für das Quartal einen negativen freien Cashflow von 0,7 Milliarden Euro. Das Management erklärt dies mit einem Effekt von 980 Millionen Euro aus dem Working Capital – ausgelöst durch Mitarbeiterboni aus dem Vorjahr und strategische Lagerinvestitionen für den erwarteten „KI-Superzyklus“. Hinzu kommt eine anhaltende Knappheit bei Speicherchips, die Kunden zu längerfristigen Bestellungen zwingt, um sich Lieferungen zu sichern.
Prognose steigt trotz Belastungen
Trotz der höheren Restrukturierungskosten hebt Nokia die Gewinnprognose für 2026 leicht an. Der Konzern erwartet nun ein vergleichbares operatives Ergebnis zwischen 2,1 und 2,6 Milliarden Euro, nach zuvor 2,0 bis 2,5 Milliarden Euro. Die Anpassung geht auf die Umgliederung bestimmter Geschäftsbereiche in aufgegebene Aktivitäten zurück.
Der Kurssturz vom Donnerstag hat die Aktie deutlich von ihren Höchstständen entfernt. Über die vergangenen 30 Tage steht ein Minus von 28,96 Prozent zu Buche. Seit Jahresbeginn bleibt dennoch ein Plus von 54,10 Prozent – ein Polster, das auf die langfristigen Erwartungen an die Nvidia-Partnerschaft und Nokias Rolle bei KI-nativen 6G-Netzwerken zurückgeht.
Die kommenden Quartale müssen zeigen, ob sich der KI-Auftragsboom tatsächlich in Cashflow verwandelt. Bis dahin bleibt die Kluft zwischen operativem Fortschritt und Kapitalbindung das zentrale Thema für die Aktie.
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