Nokia bekommt einen weiteren Großauftrag im Wachstumsfeld künstliche Intelligenz. Orange Belgium wählt den finnischen Netzwerkausrüster als alleinigen Lieferanten für den kompletten Umbau seiner Transportinfrastruktur. Der am 2. Juli 2026 verkündete Deal läuft über mehrere Jahre.
Im Kern geht es um die Verschmelzung von Festnetz und Mobilfunk zu einem einzigen optischen Transportnetz für ganz Belgien. Orange Belgium reagiert damit auf die steigende Bandbreiten-Nachfrage durch maschinelles Lernen, Homeoffice, Videostreaming, Gaming und Cloud-Dienste. Zusätzlich soll das neue Netz robuster und sicherer werden.
Für Nokia markiert der Auftrag eine Premiere: Erstmals kommt die leistungsstarke Plattform 1830 Photonic Service Switch bei einer Orange-Tochter für den optischen Kern-Transport zum Einsatz. Die KI-gestützte Software WaveSuite übernimmt dabei die Netzautomatisierung. Sie soll Ausfallsicherheit erhöhen, Betriebsabläufe vereinfachen und Dienste schneller bereitstellen. Das modernisierte Netz trägt künftig sowohl Fest- als auch Mobilfunkverkehr und deckt Übertragungsraten von 1G bis über 400G ab.
Kurs legt deutlich zu, Analysten bleiben optimistisch
Die Nokia-Aktie springt am Freitag um 4,29 Prozent auf 11,05 Euro. Der Titel hat damit einen Teil der jüngsten Schwäche wettgemacht — in den vergangenen 30 Tagen stand noch ein Minus von gut 23 Prozent zu Buche. Auf Jahressicht bleibt die Bilanz beeindruckend: Der Kurs hat sich seit dem 52-Wochen-Tief von 3,49 Euro im vergangenen August mehr als verdreifacht.
Vom Rekordhoch bei 14,97 Euro, erreicht Anfang Juni, ist die Aktie aktuell noch gut ein Viertel entfernt. Der Wert notiert weiterhin unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von 12,00 Euro, liegt aber deutlich über der 200-Tage-Linie bei 7,52 Euro. Die Volatilität bleibt mit rund 72 Prozent auf Jahresbasis hoch.
Der Auftrag von Orange Belgium fügt sich in ein Muster, das Analysten zunehmend auf dem Radar haben. Bank of America bekräftigte am Freitag ihre Kaufempfehlung für Nokia und erhöhte das Kursziel. Die Bank begründet dies mit Erwartungen an starke KI-bezogene Auftragseingänge, die Nokia bei der Vorlage der Quartalszahlen am 23. Juli präsentieren dürfte.
Die Investmentbank rechnet damit, dass die Hardware-Bestellungen im KI-Bereich im zweiten Quartal mindestens das Niveau des ersten Quartals erreichen. Damals verbuchte Nokia rund eine Milliarde Euro an KI-bezogenen Aufträgen. Treiber sind demnach Data-Center-Switches und die Nachfrage nach optischen Transportkomponenten.
Auch Jefferies hob am Dienstag sein Kursziel für Nokia an. Die Bank betont, Nokia entwickle sich vom klassischen Telekomausrüster zu einem zentralen Akteur der KI-Infrastruktur. Diese Einschätzung stützt sich auf handfeste Zahlen aus dem ersten Quartal 2026.
Wachstumstreiber KI und Cloud
Im ersten Quartal legten die Erlöse aus dem Bereich KI und Cloud um 49 Prozent zum Vorjahr zu. Die Auftragseingänge von einer Milliarde Euro signalisieren eine robuste Kundennachfrage. Nokia hat zudem seine eigene Wachstumsprognose für diesen Markt angehoben.
Der Konzern erwartet nun ein jährliches Wachstum des adressierbaren KI- und Cloud-Marktes von 27 Prozent zwischen 2025 und 2028. Zuvor hatte Nokia hier nur 16 Prozent veranschlagt. Optische Netzwerke bleiben dabei das am schnellsten wachsende Infrastruktursegment des Unternehmens — angetrieben vom Ausbau der KI-Cluster bei großen Cloud-Anbietern.
Die Quartalszahlen am 23. Juli dürften zeigen, ob sich der positive Trend bei den KI-Aufträgen fortsetzt. Bank of America und Jefferies haben ihre Erwartungen bereits mit höheren Kurszielen unterlegt.
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