Eine überraschende Offenlegung sorgt für Bewegung bei Nokia: Aus einer Pflichtmitteilung (Form 13F) geht hervor, dass Nvidia eine milliardenschwere Beteiligung an dem finnischen Netzwerkausrüster hält.
Der Schritt reiht sich in eine breitere Strategie des Chipkonzerns ein, sich entlang der gesamten KI- und Infrastrukturwertschöpfungskette zu positionieren – und signalisiert, dass Nokias Netzwerktechnik für KI-Rechenzentren und Edge-Konnektivität an Bedeutung gewinnt.
Am Kurs zeigt sich die positive Resonanz: Nokia notiert aktuell bei 8,86 Euro, nach einem Anstieg von 3,8 Prozent innerhalb der vergangenen sieben Handelstage. Über die vergangenen zwölf Monate hat sich der Kurs mehr als verdoppelt, mit einem Plus von 139 Prozent. Zum bisherigen Jahreshoch bei 14,97 Euro, erreicht am 3. Juni, bleibt allerdings noch deutlich Luft nach oben.
JPMorgan sieht Verdopplungspotenzial
Passend zur Nvidia-Meldung bekräftigte JPMorgan am 25. August seine Einstufung von Nokia als Top-Pick mit einem Overweight-Rating und einem Kursziel von 21 US-Dollar – das entspräche rund 100 Prozent Aufwärtspotenzial gegenüber dem damaligen Niveau. Die Analysten begründen ihre Zuversicht mit dem KI- und Cloud-Geschäft, robuster Cloud-Nachfrage und einem starken mehrjährigen Auftragsbestand bis 2027/2028.
Tatsächlich liefert das operative Geschäft Nokias Argumente für diesen Optimismus. Im zweiten Quartal 2026 legte der Umsatz um 9 Prozent im Jahresvergleich auf 4,82 Milliarden Euro zu, das vergleichbare Ergebnis je Aktie stieg von 0,04 auf 0,07 Euro.
Besonders die Sparte AI & Cloud stach hervor: Der Auftragseingang erreichte 2,8 Milliarden Euro, der Umsatz verdoppelte sich nahezu. Nokia erwartet, dass rund die Hälfte dieser Aufträge innerhalb der kommenden zwölf Monate in Umsatz umgewandelt wird.
Untermauert wird die technologische Positionierung durch eine aktuelle Branchenbewertung: Im Marktbericht „Market Landscape: Core Vendors“ von Omdia wurde Nokia bereits zum zweiten Mal in Folge als führender Anbieter im Bereich Mobile-Core-Portfolio eingestuft – mit Bestnoten in allen sieben untersuchten Wettbewerbskategorien, darunter Cloud-native Reife, Automatisierung und KI/ML-Analytik.
Umbau in China parallel zum Wachstumskurs
Während das KI-Geschäft brummt, zieht sich Nokia gleichzeitig aus großen Teilen Chinas zurück. Bis Ende 2026 schließt der Konzern sein Forschungszentrum in Hangzhou sowie weitere Standorte in Peking, Chengdu, Qingdao und Shanghai. Rund 1.600 Stellen im Bereich Forschung und Entwicklung fallen weg. Die verbleibenden Aktivitäten werden in das Gemeinschaftsunternehmen Nokia Shanghai Bell integriert, das Nokia Ende 2025 vollständig übernommen hatte.
Der Rückzug spiegelt einen langfristigen Bedeutungsverlust des chinesischen Marktes wider: Die Umsätze in Greater China fielen von rund 2,2 Milliarden Euro im Jahr 2018 auf 913 Millionen Euro im Jahr 2025, ein Rückgang von mehr als 58 Prozent. Der Marktanteil dort liegt inzwischen unter 3 Prozent, während heimische Konkurrenten das Feld dominieren.
Ergänzend zu den strategischen Weichenstellungen meldete Nokia am 27. August eine reguläre Transaktion: 3.635.260 eigene Aktien wurden im Rahmen bestehender Aktienbeteiligungspläne an Teilnehmer übertragen – ein Beschluss, den der Verwaltungsrat bereits im Oktober 2025 gefasst hatte.
Zudem kauften mehrere leitende Angestellte, darunter Victoria Hanrahan, Stephan Prosi und Louise Fisk, Mitte August Nokia-Aktien an der Helsinki-Börse zu Kursen um 9,09 Euro – ein Signal des Vertrauens aus den eigenen Reihen, wenige Tage bevor die Nvidia-Nachricht die Aktie zusätzlich beflügelte.
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