Nokia Aktie: Nur die halbe Rechnung

Nokia verzeichnet starkes KI-Wachstum, aber der ausgewiesene Nettogewinn bricht durch hohe Restrukturierungskosten ein.

Auf einen Blick:
  • KI-Cloud-Umsatz verdoppelt sich
  • Auftragseingang von 2,8 Milliarden Euro
  • Nettogewinn bricht um 95 Prozent ein
  • Dividende von 0,04 Euro beschlossen

Nokia meldet für das zweite Quartal 2026 ein Wachstumstempo, das den Netzwerkausrüster mitten ins KI-Geschäft katapultiert. Gleichzeitig bricht der ausgewiesene Gewinn regelrecht ein. Zwei Zahlenwelten, ein Unternehmen — und ein Auftragsberg, von dem bislang nur die Hälfte als gesicherte Zukunft gilt.

KI-Aufträge treiben das Geschäft

Der Nettoumsatz kletterte im zweiten Quartal auf 4,82 Milliarden Euro, ein Plus von acht Prozent gegenüber dem Vorjahr. Den größten Sprung lieferte das Geschäft mit KI- und Cloud-Kunden: Hier verdoppelte sich der Umsatz nahezu, ein Zuwachs von 105 Prozent. Allein in diesem Segment sammelte Nokia im Quartal Aufträge im Volumen von 2,8 Milliarden Euro ein.

Konzernchef Justin Hotard sprach von einem „KI-Superzyklus“, in dem Nokia mit starkem Momentum in die zweite Jahreshälfte gehe. Bemerkenswert dabei: Nach eigener Einschätzung des Managements dürfte erst rund die Hälfte dieser Aufträge innerhalb der nächsten zwölf Monate tatsächlich in Umsatz umgewandelt werden. Der Rest bleibt vorerst Zukunftsversprechen statt Kasseneingang.

Die Sparte Network Infrastructure profitierte besonders stark, mit Optical Networks und IP Networks als Wachstumstreibern. Das klassische Mobilfunkgeschäft legte moderater zu und blieb mit einer operativen Marge von 11,6 Prozent stabil.

Restrukturierung frisst den Gewinn

Auf bereinigter Basis sieht die Geschichte glänzend aus: Das vergleichbare operative Ergebnis stieg um 18 Prozent auf 434 Millionen Euro, der bereinigte Gewinn je Aktie sprang um 75 Prozent auf 0,07 Euro. Der ausgewiesene Nettogewinn brach jedoch auf 5 Millionen Euro ein, ein Rückgang von 95 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Verantwortlich dafür sind beschleunigte Restrukturierungsaufwendungen im Zuge des laufenden Konzernumbaus, der auch die China-Integration umfasst.

Für 2026 rechnet Nokia inzwischen mit Restrukturierungskosten von 800 Millionen Euro insgesamt. Trotzdem bleibt der operative Ausblick unverändert: Nach einer technischen Anpassung, die zwei Geschäftsbereiche als aufgegebene Aktivitäten neu klassifiziert, erwartet das Management ein vergleichbares operatives Ergebnis zwischen 2,1 und 2,6 Milliarden Euro — mit Kurs auf das obere Ende der Spanne.

Der Verwaltungsrat hat zudem eine Dividende von 0,04 Euro je Aktie beschlossen, zahlbar am 6. August 2026 mit Stichtag 28. Juli. Weiterer Ausschüttungsspielraum von bis zu 0,06 Euro je Aktie bleibt bestehen — ein Signal, dass Nokia trotz der Bilanzbelastung durch den Umbau an seiner Aktionärspolitik festhält.

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