Nach einem 52-Wochen-Hoch von 14,97 Euro am Mittwoch folgte am Donnerstag die Ernüchterung. Nokia-Aktien verloren knapp fünf Prozent auf 13,73 Euro — ausgerechnet an dem Tag, an dem ein Analyst sein Kursziel um mehr als die Hälfte anhob.
Northland sieht 20 Dollar als Ziel
Northland-Analyst Tim Savageaux erhöhte sein Kursziel von 13 auf 20 US-Dollar und bestätigte das Outperform-Rating. Als Begründung nannte er Aussagen von Nvidias CEO, die für den Sektor positiv seien, sowie steigende Investitionsbudgets bei KI-Rechenzentren. Savageaux sieht darin Belege für eine kurzfristige Beschleunigung der KI-Nachfrage nach optischen Netzwerkkomponenten — und für einen nachhaltigen Zyklus über mehrere Jahre.
Der Schritt reiht sich in eine Serie von Hochstufungen ein. Morgan Stanley hob das Kursziel auf 14 Euro an und vergab ein Overweight-Rating, Deutsche Bank und SEB Equities zogen ebenfalls nach.
190 Prozent in zwölf Monaten — und jetzt?
Der Rücksetzer kommt nach einer außergewöhnlichen Rally. Seit dem 52-Wochen-Tief von 3,49 Euro im August 2025 hat sich der Kurs fast vervierfacht; auf Jahressicht steht ein Plus von rund 190 Prozent. Seit Jahresbeginn beläuft sich der Zuwachs auf knapp 147 Prozent.
Der Auslöser für den heutigen Abgabedruck liegt offenbar in zwei schwachen US-Handelssitzungen für Nokia-ADRs. Marktbeobachter werten dies als Reaktion auf gestiegene Erwartungen: Nach der jüngsten Guidance-Erhöhung messen Investoren Nokia nun an einem ambitionierteren Wachstumspfad.
Die fundamentalen Argumente bleiben dabei intakt. Im ersten Quartal stieg der vergleichbare Betriebsgewinn um 54 Prozent auf 281 Millionen Euro. Umsätze mit KI- und Cloud-Kunden legten 49 Prozent zu, das Ordervolumen aus diesem Segment erreichte eine Milliarde Euro. Nokia erhöhte die Wachstumsprognose für das Segment Optical and IP Networks auf 18 bis 20 Prozent — nach zuvor 10 bis 12 Prozent.
Risiken im Blick
Nicht alles läuft rund. Das Fixed-Networks-Geschäft schrumpfte im ersten Quartal um 13 Prozent. Lieferzeiten in der KI-Lieferkette verlängern sich, und einige neue optische Produkte werden erst Mitte 2027 in die Musterfertigung gehen — Serienproduktion frühestens in der zweiten Jahreshälfte 2027. Sollten Hyperscaler ihre Ausgaben drosseln oder Bestellungen in spätere Quartale verschieben, dürfte der Markt nach einer derart schnellen Neubewertung wenig Geduld zeigen.
Technisch bleibt der Kurs mit einem Abstand von gut 33 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt deutlich überdehnt; der RSI liegt bei 62,3. Das spricht eher für eine Konsolidierung als für eine Trendwende.
Am 23. Juli legt Nokia Zahlen für das zweite Quartal und das erste Halbjahr 2026 vor. Das wird die erste harte Probe: Kann das KI-Auftragsmomentum die Wachstumsraten liefern, die den Kurs auf Mehrjahreshochs getragen haben? Nokia selbst signalisiert, beim Betriebsgewinnziel von 2,0 bis 2,5 Milliarden Euro etwas oberhalb der Mitte zu liegen — ein erster Hinweis, aber kein Freifahrtschein.
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