Nokia legte am Mittwoch leicht zu — obwohl die Landesbank Baden-Württemberg die Aktie gleichzeitig auf „Sell“ herabstufte. Ein klassischer Widerspruch zwischen Analystenurteil und Marktreaktion.
LBBW dreht das Votum
Die LBBW senkte ihre Empfehlung von „Hold“ auf „Sell“. Das neue Kursziel liegt bei 9,75 Euro — ein Anstieg gegenüber dem vorherigen Ziel von 8,75 Euro, aber trotzdem rund 17 Prozent unter dem aktuellen Kurs von 11,68 Euro. Die Bank sieht die Aktie also als überbewertet, auch wenn sie das Ziel angehoben hat.
Der Kurs selbst notiert bereits 22 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 14,97 Euro, das Anfang Juni erreicht wurde. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von rund 110 Prozent zu Buche.
KI-Infrastruktur als Wachstumsmotor
Hinter dieser Rally steckt eine handfeste Transformation. Nokia hat sich vom klassischen Netzwerkausrüster zum Anbieter für KI- und Cloud-Infrastruktur entwickelt. Nach der Übernahme von Infinera Anfang 2025 wuchsen die entsprechenden Umsätze im ersten Quartal 2026 um 49 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Segment optische Netzwerke legte um 20 Prozent zu.
Das Management schätzt, dass der adressierbare Markt für diese Technologien bis 2028 jährlich um 27 Prozent wächst. Analysten rechnen damit, dass Nokia seinen Gewinn bis 2028 nahezu verdoppeln könnte — getrieben von Nachfrage der großen Hyperscaler und Rechenzentren.
Technisches Bild bleibt gespalten
Der RSI liegt bei 46 — weder überkauft noch überverkauft. Der Kurs notiert knapp unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 11,92 Euro, aber deutlich über dem 200-Tage-Schnitt von 7,45 Euro. Das zeigt: Die langfristige Dynamik ist intakt, kurzfristig kühlt sich die Bewegung ab.
Hinzu kommt ein schwieriges Marktumfeld. In Asien verloren Samsung und SK Hynix am Mittwoch deutlich, der KOSPI fiel über 2 Prozent. In Europa gab der STOXX 600 leicht nach. Nokia hielt sich in diesem Umfeld stabil — was die Stärke des laufenden Umbaus unterstreicht.
Das LBBW-Votum spiegelt eine legitime Bewertungsfrage wider: Ist der KI-Wachstumspfad bereits eingepreist? Mit einer annualisierten Volatilität von über 74 Prozent und einem Kurs, der sich seit August 2025 mehr als verdreifacht hat, ist das keine akademische Debatte. Die nächsten Quartalszahlen werden zeigen, ob Nokia das hohe Tempo halten kann — oder ob die Skepsis der LBBW Substanz gewinnt.
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