Nokia beendet seine Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten in Hangzhou bis Ende 2026 und streicht dabei rund 1.600 Stellen. Das Werk entwickelt Funktechnologie für die Basisstationen und Antennensysteme, die das Rückgrat der 5G-Netze bilden. Der Schritt fällt in eine Woche, in der die Aktie eigentlich von einer ganz anderen Nachricht getragen wurde: dem Start einer neuen KI-RAN-Plattform.
KI-Plattform und Chip-Ausfuhrverbote treiben den Kurs
Am Mittwoch legte die Nokia-Aktie um 10,01 Prozent zu, nachdem Berichte über ein geplantes US-Verbot für neue chinesische optische Transceiver der Federal Communications Commission die Aufmerksamkeit auf Anbieter außerhalb Chinas lenkten.
Gleichzeitig brachte Nokia gemeinsam mit Nvidia-Technologie eine kommerzielle KI-RAN-Plattform an den Markt, die Netzbetreibern einen Softwarepfad zu 6G und höherer Kapazität auf bestehender Hardware verspricht. Pilotprojekte sind für dieses Jahr geplant, ein Abonnement-Rollout über 4G, 5G und künftige 6G-Netze soll 2027 folgen.
Der Kursverlauf der vergangenen Tage zeigt, wie sensibel der Markt auf solche Nachrichten reagiert: Über sieben Tage steht ein Plus von 15 Prozent zu Buche, auf Monatssicht dagegen ein Minus von 5,1 Prozent.
Zum Wochenschluss notierte die Aktie bei 9,35 Euro, ein Tagesgewinn von 1,3 Prozent. Damit bleibt Nokia rund 38 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 14,97 Euro vom 3. Juni, notiert aber weiterhin deutlich über dem 200-Tage-Durchschnitt von 8,11 Euro.
Solides zweites Quartal als fundamentales Fundament
Grundlage der positiven Anlegerstimmung ist auch das Ende Juli veröffentlichte zweite Quartal. Nokia steigerte den Gewinn je Aktie auf 0,07 Euro von 0,04 Euro, der Umsatz kletterte auf 4,82 Milliarden Euro.
Treiber waren AI & Cloud-Aufträge im Volumen von 2,8 Milliarden Euro, die sich in diesem Segment mehr als verdoppelten. Die Bruttomarge legte um 70 Basispunkte auf 46 Prozent zu, die operative Marge ebenfalls um 70 Basispunkte auf 9 Prozent.
Auf Basis dieser Entwicklung hob Nokia die Prognose für den operativen Gewinn 2026 auf 2,1 bis 2,6 Milliarden Euro an und senkte gleichzeitig die geplanten Investitionsausgaben auf 800 bis 900 Millionen Euro.
Für das dritte Quartal stellte das Unternehmen ein Umsatzwachstum von 3 bis 7 Prozent gegenüber dem Vorquartal bei einem stabilen operativen Gewinn in Aussicht. Der Vorstand beschloss zudem eine Dividende von 0,04 Euro je Aktie, ausgezahlt am 6. August.
Restrukturierung und Umbau des Portfolios laufen parallel
Die Kehrseite des Wachstumskurses: Nokia beschleunigt seine Restrukturierung. Für 2026 werden nun Belastungen von 800 Millionen Euro erwartet statt der zuvor kommunizierten 250 Millionen. Hinzu kommen bis Ende 2026 rund 350 Millionen Euro an Integrationskosten im Zusammenhang mit der vollständigen Übernahme von Nokia Shanghai Bell.
Parallel baut das Unternehmen sein Portfolio um: Das Geschäft mit Fixed Wireless Access CPE geht an Inseego, für den Bereich Enterprise Campus Edge hält Nokia eine Einigung für sehr wahrscheinlich.
Investitionen fließen dagegen in die Halbleiterfertigung in den USA. Nokia hat eine Vereinbarung zum Erwerb des NXP-Werks in Chandler, Arizona, getroffen, das ab Anfang 2027 zunächst gepachtet und schließlich auf Indiumphosphid-Produktion für optische Komponenten umgestellt werden soll.
Der vollständige Erwerb soll im ersten Quartal 2029 abgeschlossen sein. Das neue Werk in San Jose soll die Produktion im vierten Quartal 2026 hochfahren, in Pennsylvania wird die Test- und Verpackungskapazität ab dem dritten Quartal 2026 verzehnfacht.
Mehrere Führungskräfte, darunter David Heard und Raghav Sahgal, kauften Mitte August Nokia-Aktien zu je 9,091 Euro – ein Signal, dass das Management trotz des China-Einschnitts von der eingeschlagenen Strategie überzeugt bleibt.
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