Gute Zahlen, trotzdem Gewinnmitnahmen: Bei Nokia klaffen operative Entwicklung und Kursreaktion auseinander. Das Analysehaus IndeRes hat die Aktie nun von „Sell“ auf „Reduce“ hochgestuft und das Kursziel von 6,50 auf 7,00 Euro angehoben.
Starke Aufträge aus dem KI-Umfeld
Auslöser ist das dritte Quartal. Das bereinigte EBIT lag über den Schätzungen von IndeRes und über dem Marktkonsens. Nokia verbuchte kräftige Bestellungen von Kunden aus den Bereichen KI und Cloud. Für das kommende Jahr stellt der Konzern Wachstum bei optischen Netzen und IP-Netzen in Aussicht.
Der höhere Auftragsbestand stützt aus Sicht von IndeRes bessere Ergebnisprognosen. Das Haus hob seine Gewinnschätzungen für die kommenden Jahre um sechs bis sieben Prozent an. Analyst Tommy Saarinen hält die Bewertung damit für wieder gerechtfertigt.
Ein Kaufsignal ist das trotzdem nicht. Das Chance-Risiko-Verhältnis bleibt laut Saarinen verhalten, die Einstufung „Reduce“ signalisiert weiterhin Zurückhaltung.
Operativ solide, beim Cash gebremst
Die Eckdaten des Quartals fielen besser aus als erwartet. Der Umsatz erreichte 5,83 Milliarden Euro, erwartet worden waren 5,73 Milliarden. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 0,102 Euro gegenüber prognostizierten 0,07 Euro.
Auf währungsbereinigter Basis wuchs der Umsatz um neun Prozent. Die operative Marge stieg auf 11,7 Prozent, der operative Gewinn betrug 605 Millionen Euro.
Anleger reagierten dennoch zurückhaltend. Sie verwiesen auf den Druck beim Cashflow, höhere Restrukturierungskosten und Bedarf an Betriebskapital. In der vergangenen Woche verlor die Aktie knapp elf Prozent. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 53 ist das Papier zudem nicht billig.
Weitere Kursziele und Ukraine-Projekt
Rosenblatt bleibt bei „Buy“, senkte das Kursziel aber auf 14 von 15 Dollar. Begründet wird das mit niedrigeren Multiplikatoren in der Vergleichsgruppe, obwohl die Bank ihre Schätzungen für Nokia anhob.
Strategisch sorgt zudem eine Absichtserklärung mit dem Satellitenspezialisten ICEYE und dem ukrainischen Verteidigungsministerium für Aufmerksamkeit. Die Partner wollen eine Zusammenarbeit bei souveränen Satellitenkommunikationssystemen ausloten. Finanzielle Details sind nicht bekannt, die Wirkung auf die Zahlen dürfte vorerst begrenzt bleiben.
Die Spanne der Bewertungen zeigt, wie unterschiedlich der Markt die Lage einschätzt: Während Rosenblatt klar auf Kurssteigerung setzt, sieht IndeRes das Potenzial mit einem Ziel von 7,00 Euro nahezu ausgereizt.
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