Bei Nokia klaffen Stimmung und Realität derzeit weit auseinander. Nach wochenlangen Verlusten meldet sich der Netzwerkausrüster nun eindrucksvoll zurück. Ein neuer Großauftrag aus Belgien weckt frische Fantasie. An der Börse honorieren Investoren diesen Schritt sofort.
Am Freitag schoss das Papier in Helsinki um knapp sechs Prozent auf 11,18 Euro nach oben. Damit grenzt die Aktie die herben Verluste der vergangenen Wochen etwas ein. Der Auslöser für den Kurssprung ist ein exklusiver Deal. Nokia baut das Transportnetzwerk von Orange Belgium komplett um.
Festnetz und Mobilfunk verschmelzen dabei zu einem einzigen optischen System. Finanzielle Details bleiben unter Verschluss. Orange Belgium will mit dem Umbau die eigene digitale Wettbewerbsfähigkeit absichern. Lineares Wachstum reicht für moderne Netzwerke schlichtweg nicht mehr aus.
Analysten völlig uneins
Parallel dazu sorgt die KI-Strategie der Finnen für hitzige Debatten. Experten bewerten die Lage extrem unterschiedlich. Die Danske Bank rät nun zum Kauf. Sie sieht das Kursziel bei 14 Euro. Zeitgleich stufte die LBBW das Papier auf Verkaufen ab und peilt lediglich 9,75 Euro an.
Die Optimisten betonen: Nokia macht sich zunehmend unabhängig von klassischen Telekommunikationsanbietern. Der Konzern profitiert stark vom Boom rund um Künstliche Intelligenz. Im ersten Quartal sammelte das Unternehmen Bestellungen im Wert von einer Milliarde Euro von KI- und Cloud-Kunden ein. Dieser Bereich wuchs währungsbereinigt um fast die Hälfte.
Hohe Schwankungen dominieren
Trotz des jüngsten Rebounds bleibt der Weg nach oben steil. Auf Monatssicht steht immer noch ein Minus von gut 22 Prozent auf der Anzeigetafel. Langfristig glänzt Nokia hingegen. Seit Jahresbeginn hat sich der Wert der Aktie verdoppelt.
Die annualisierte Schwankungsbreite liegt aktuell bei extremen 73 Prozent. Der Relative-Stärke-Index notiert mit einem Wert von knapp 44 im neutralen Bereich. Technische Indikatoren liefern Tradern momentan also kaum klare Signale.
Nächster Halt: Quartalsbilanz
Investoren blicken nun auf den 23. Juli. Dann präsentiert Nokia seine Halbjahreszahlen. Das Management muss beweisen, dass neue Aufträge die Margen nachhaltig verbessern. Die Marschroute steht: Der Konzern erwartet für 2026 einen operativen Gewinn von bis zu 2,5 Milliarden Euro.
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