Frische Rückenwind-Nachrichten treiben die Nokia-Aktie in den vergangenen Tagen an: Neue Netzwerk-Partnerschaften und zwei Analysten-Kurszielerhöhungen sorgen für Aufmerksamkeit, während sich der Kurs von seinem jüngsten Rücksetzer erholt. Am Dienstag zog die Aktie laut Medienberichten um 5,24 Prozent an, nachdem Nokia frische 5G-Ausbauarbeiten mit Taiwan Mobile sowie eine neue Verteidigungs-Partnerschaft mit NestAI im Bereich Nokia Defense AI bekanntgegeben hatte. Letztere zielt auf NATO-relevante Vernetzung von Gefechtsfeldern ab und erweitert das Geschäftsfeld über die klassischen Telekom-Kunden hinaus.
Analysten sehen mehr Spielraum nach oben
Am 3. August hob die US-Bank BofA ihr Kursziel für die in New York gehandelten Nokia-Papiere auf 18,50 US-Dollar an und bekräftigte ihre Kaufempfehlung. Als Begründung verweist das Haus auf das überdurchschnittlich gefüllte Auftragsbuch im KI-Geschäft, auch wenn die kurzfristige Prognose des Konzerns konservativ bleibt. Am selben Tag stufte SEB Equities die Aktie auf Kaufen hoch und nannte ein Kursziel von 12 Euro – die schwedischen Analysten erwarten, dass die Nachfrage nach KI- und Cloud-Lösungen das Wachstum beschleunigt und die Bewertung des Papiers neu ordnet. Andere Häuser bleiben zurückhaltender und bewerten die Aktie mit Empfehlungen zwischen Verkaufen und Halten – die Bandbreite der Kursziele fällt entsprechend breit aus.
Hintergrund der optimistischeren Einschätzungen ist das Auftragswachstum im KI- und Cloud-Netzwerkgeschäft, das Nokia vor rund zwei Wochen mit seinen Quartalszahlen offengelegt hatte: Der Auftragseingang in diesem Segment lag bei 2,8 Milliarden Euro, der Umsatz dort mehr als verdoppelte sich. Die Aktie reagierte darauf zunächst mit einem kräftigen Sprung über die Marke von 12 Euro, gab die Gewinne in den folgenden Tagen aber wieder ab – seit der Veröffentlichung steht ein Minus von 5,3 Prozent. Auch die vor gut einer Woche vermeldete Anhebung des Ratingausblicks durch S&P konnte den Rücksetzer nur teilweise kompensieren; seither steht ein Plus von 2,3 Prozent.
Neue Großprojekte flankieren das Geschäft
Die frischen Partnerschaften fügen sich in ein größeres Bild: Erst kürzlich hatte Nokia gemeinsam mit Indosat Ooredoo Hutchison, Ooredoo Group und NVIDIA das Projekt Zankore angekündigt, eine der größten KI-Infrastrukturplattformen Südostasiens mit einer Zielkapazität von bis zu einem Gigawatt an NVIDIA-DSX-KI-Fabrikleistung. Nokia liefert dafür die Netzwerktechnik, während Ooredoo als Leitinvestor das Kapital stellt. Die Kooperation mit NVIDIA reicht weiter zurück: Im Oktober 2025 hatte der Chiphersteller rund eine Milliarde US-Dollar in Nokia investiert und sich damit einen Anteil von etwa 2,9 Prozent gesichert, um die Entwicklung von 5G- und 6G-RAN-Software auf NVIDIA-Architektur zu beschleunigen. Die aktuellen Deals mit Taiwan Mobile und NestAI zeigen, dass Nokia diese Technologiepartnerschaften nun in zusätzliche Absatzmärkte trägt.
Kurs bleibt volatil nach starkem Rücksetzer
Am Freitag schloss die Nokia-Aktie bei 8,15 Euro, ein Minus von 1,09 Prozent auf Tagesbasis. Auf Monatssicht steht dennoch ein Rückgang von 21,97 Prozent zu Buche – ein deutlicher Nachhall des Rückzugs von den Post-Quartalszahlen-Hochs. Zugleich notiert der Kurs nur noch 1,65 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt, was auf eine gewisse Stabilisierung nach der scharfen Korrektur hindeutet. Anleger dürften den nächsten Belastungstest im dritten Quartal erleben: Nokia hat für diesen Zeitraum lediglich ein Umsatzwachstum von 3 bis 7 Prozent gegenüber dem Vorquartal bei stagnierendem Gewinn in Aussicht gestellt und den stärkeren Ergebnisschub auf das vierte Quartal verschoben.
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