Nokia steht an einem Allzeithoch — und das ist kein Zufall. Der finnische Netzwerkausrüster hat sich in weniger als einem Jahr von einem Telekomausrüster alter Schule zu einem ernstzunehmenden Spieler im KI-Infrastrukturmarkt gewandelt. Die Aktie spiegelt das wider: Seit August 2025 hat sie sich mehr als vervierfacht.
Labor in Sunnyvale als strategisches Signal
Am 26. Mai 2026 eröffnete Nokia offiziell sein neues AI Networking Innovation Lab im kalifornischen Sunnyvale. Die Einrichtung ist explizit auf KI-native Netzwerktechnologien für Rechenzentren ausgerichtet — also genau jenes Segment, das Hyperscaler und Cloud-Anbieter derzeit mit Milliardeninvestitionen ausbauen.
Im Labor arbeitet Nokia mit AMD, Lenovo und Supermicro zusammen, hinzu kommen Keysight, VIAVI, Weka und Nscale. Das Ziel: Multi-Vendor-Architekturen entwickeln, testen und validieren, die den enormen Datendurchsatz von KI-Training und Echtzeit-Inferenz bewältigen können. Nokia setzt dabei auf Ultra Ethernet und andere Hochleistungsstandards, um die Bereitstellung von KI-Workloads zu vereinfachen.
Morgan Stanley hebt Kursziel deutlich an
Die Neubewertung durch die Finanzmärkte kommt nicht überraschend. Morgan Stanley hob am 22. Mai das Kursziel für Nokia-ADRs von 13,00 auf 16,50 US-Dollar an und bestätigte das Rating „Overweight“. Die Analysten argumentieren, dass ein reiner Gewinnvergleich die langfristige Dynamik des KI-Nachfragezyklus unterschätzt.
Stattdessen empfehlen sie eine Bewertung nach dem „Sum-of-the-Parts“-Ansatz: Die wachstumsstarken, KI-exponierten Netzwerksegmente werden dabei getrennt von den langsamer wachsenden Mobilfunksparten betrachtet. Letztere machen noch immer einen erheblichen Teil des Gesamtumsatzes aus. Das KI- und Cloud-Segment legte im jüngsten Quartal allerdings um 49 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu — ein Wert, der in der Telekombranche seinesgleichen sucht.
Infinera-Integration als Fundament
Hinter dem Wachstum steckt auch eine strategische Akquisition. Die Integration von Infinera hat Nokias Position im Hochgeschwindigkeits-Optikmarkt erheblich gestärkt. Optische Vernetzung und KI-native Rechenzentrumstechnologie gelten inzwischen als Kernkompetenz — und treiben einen Großteil des aktuellen Wachstums.
Im Vergleich zu reinen Optik-Netzwerkanbietern handelt Nokia noch mit einem Bewertungsabschlag, was den laufenden Umbau des Gesamtkonzerns widerspiegelt. Dieser Abstand könnte sich verringern, wenn die Quartalszahlen am 23. Juli 2026 die Nachhaltigkeit des KI-Wachstums bestätigen.
Die Aktie notiert heute auf einem neuen 52-Wochen-Hoch von 14,13 Euro — ein Plus von rund 150 Prozent seit Jahresbeginn. Ob die Juli-Zahlen den nächsten Schub liefern oder eine Konsolidierung einleiten, wird maßgeblich davon abhängen, wie sich die Cloud-Aufträge im zweiten Quartal entwickelt haben.
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