Nokia Aktie: 800 Millionen Euro Restrukturierungskosten

Nokias Fokus auf KI-Infrastruktur beflügelt die Aktie, während der China-Rückzug die Restrukturierungskosten auf 800 Millionen Euro anhebt.

Auf einen Blick:
  • Wochenplus von 17 Prozent
  • China-Rückzug kostet 800 Millionen Euro
  • KI-Plattform mit Nvidia gestartet
  • US-Werk für photonische Chips erweitert

Nokia steckt mitten in einem Umbruch: Während das Unternehmen sein China-Geschäft zurückfährt, treibt die Nachfrage nach KI-Infrastruktur den Aktienkurs an. Am Freitag schloss das Papier bei 9,35 Euro, nach einem Wochenplus von 17 Prozent.

Rückzug aus China kostet mehr als geplant

Nokia hatte am Donnerstag bestätigt, sein Forschungs- und Entwicklungszentrum in Hangzhou zu schließen. Rund 1.600 Arbeitsplätze fallen dadurch weg. Im Zuge dieses Rückzugs aus dem chinesischen Markt hob das Unternehmen seine Prognose für die Restrukturierungskosten 2026 deutlich an, von zuvor 250 Millionen Euro auf nun 800 Millionen Euro.

Der Schritt zeigt, wie stark sich Nokia von seinem früheren Chinageschäft löst und stattdessen Kapital in Wachstumsfelder wie KI-Infrastruktur und Optik lenkt.

Parallel zur Schließung in Hangzhou investiert Nokia in den USA. Am Wochenende zuvor hatte das Unternehmen eine Erweiterung seiner Halbleiter-Verpackungsanlage in Allentown, Pennsylvania, angekündigt – ein Investitionsvolumen von 30 Millionen Dollar, unterstützt durch 14 Millionen Dollar an Landeszuschüssen und Steuergutschriften aus dem CHIPS Act.

Die Anlage soll photonische Chips für KI-Infrastruktur in größerem Maßstab produzieren. Die geografische Verschiebung ist unübersehbar: Kapazitäten wandern von China in Richtung USA, dorthin, wo die KI-Nachfrage aktuell am stärksten wächst.

KI-Geschäft und mögliches US-Handelsverbot treiben den Kurs

Der jüngste Kurssprung geht maßgeblich auf zwei Entwicklungen zurück. Zum einen hat Nokia gemeinsam mit Nvidia-Technologie eine kommerzielle AI-RAN-Plattform gestartet. Zum anderen kursieren Medienberichte, wonach die US-Regulierungsbehörde FCC ein Verbot neuer chinesischer optischer Transceiver vorbereitet.

Marktteilnehmer werten dies als möglichen Katalysator für zusätzliche Aufträge im Optiknetzwerk-Segment von Nokia, sollte Nachfrage von chinesischen zu anderen Anbietern verlagert werden.

Diese Entwicklungen fallen in eine Phase, in der Nokia bereits operativ zulegt. Im zweiten Quartal hatte das Unternehmen ein Ergebnis je Aktie von 0,07 Euro gemeldet, deutlich über dem Konsens von 0,04 Euro, bei einem Umsatz von 4,82 Milliarden Euro.

Treiber war ein Umsatzsprung von 103 Prozent im Bereich AI und Cloud gegenüber dem Vorjahr. Nokia hatte daraufhin seine Prognose für das operative Ergebnis 2026 auf eine Spanne von 2,1 bis 2,6 Milliarden Euro angehoben und gleichzeitig den Investitionsausblick auf 800 bis 900 Millionen Euro gesenkt.

Bewertung und Ausblick

Der Kurs notiert derzeit rund 38 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 14,97 Euro, das im Juni erreicht wurde – ein Hinweis darauf, dass trotz der jüngsten Rally noch Luft nach oben gesehen wird, sollten sich die positiven Entwicklungen fortsetzen.

Bank of America hatte ihr Kursziel Anfang August auf 18,50 Dollar angehoben und die Einstufung „Kaufen“ bestätigt, mit Verweis auf ein Auftragsvolumen von 2,8 Milliarden Euro im Bereich KI und Cloud.

SEB Equities hatte zum selben Zeitpunkt von „Halten“ auf „Kaufen“ hochgestuft, mit einem Kursziel von 12,00 Euro und der Begründung, KI-getriebene Nachfrage werde zum nächsten großen Wachstumstreiber des Unternehmens.

Zusätzlich hatten mehrere Nokia-Manager, darunter David Heard, in der vergangenen Woche Aktien zu Kursen um 9,09 Euro erworben – ein Signal, das Anleger als Vertrauensbeweis des Managements werten dürften, auch wenn die Stückzahlen überschaubar blieben.

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