Nokia zieht sich in großem Umfang aus China zurück. Das Unternehmen bestätigte Medienberichten zufolge, dass es bis Ende 2026 nahezu alle Standorte in Festlandchina schließen will. Betroffen sind rund 7.200 Beschäftigte in der Region Greater China, darunter das Forschungs- und Entwicklungszentrum in Hangzhou mit 1.600 Arbeitsplätzen sowie Einrichtungen in Peking, Shanghai, Chengdu und Qingdao.
Der Umbau hat seinen Preis. Nokia hob seine Prognose für die Restrukturierungskosten des laufenden Jahres deutlich an, von zuvor rund 250 Millionen Euro auf nun bis zu 800 Millionen Euro. Davon entfallen 350 Millionen Euro gezielt auf die Integration von Nokia Shanghai Bell und den Rückbau der China-Aktivitäten. Die Größenordnung zeigt, wie tiefgreifend der Konzern seine Präsenz in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt umbaut.
Wachstum bei KI und Cloud kompensiert Belastungen
Während sich Nokia aus China zurückzieht, wächst ein anderes Geschäftsfeld rasant. Im zweiten Quartal stiegen die Umsätze im Bereich KI und Cloud-Infrastruktur um 105 Prozent im Jahresvergleich auf 446 Millionen Euro. Damit macht dieses Segment bereits 9 Prozent der gesamten Quartalsumsätze aus – ein deutlicher Hinweis darauf, wohin sich der Schwerpunkt des Konzerns verschiebt.
Passend dazu brachte Nokia Mitte August gemeinsam mit Nvidia eine kommerzielle AI-native-RAN-Plattform auf den Markt. Die Technologie soll als Software-Brücke zur nächsten Mobilfunkgeneration 6G dienen und unterstreicht den strategischen Fokus auf KI-gestützte Netzwerkinfrastruktur, während klassische Geschäftsfelder wie das Smartphone-Geschäft der Marke unter Lizenznehmer HMD Global weiter schrumpfen – das Modell Nokia G310 5G verliert am Montag den offiziellen Software-Support.
Aktie unter Druck trotz langfristig positiver Einschätzungen
An der Börse zeigt sich die Gemengelage aus Rückzug und Neuausrichtung in einem volatilen Kursbild. Zum Handelsschluss am Freitag notierte die Nokia-Aktie bei 8,80 Euro, ein Plus von 0,7 Prozent auf Tagesbasis.
Auf Wochensicht steht dennoch ein Rückgang von 6,0 Prozent zu Buche, und gegenüber dem 50-Tage-Durchschnitt von 9,86 Euro liegt der Kurs 11 Prozent im Minus. Seit Jahresbeginn hat das Papier trotz der jüngsten Schwäche noch immer 57 Prozent zugelegt.
Auf Analystenseite bleibt der Blick nach vorn gerichtet. JPMorgan bekräftigte am Freitag sein „Overweight“-Rating mit einem Kursziel von 21,00 US-Dollar und begründete dies damit, der Markt unterschätze das Umsatzpotenzial von Nokia im Bereich KI- und Cloud-Infrastruktur für die Jahre 2027 und 2028.
Insider kaufen zu, Großinvestor reduziert Position
Mehrere Führungskräfte griffen Mitte August zu: Am 13. August erwarben unter anderem Raghav Sahgal und David Heard Aktien zu einem Stückpreis von 9,091 Euro über den Handelsplatz XHEL. Auf der anderen Seite reduzierte der institutionelle Investor Fmr Llc seine Position deutlich – eine Pflichtmitteilung wies für das zweite Quartal einen Rückgang des Bestands an Nokia-ADRs um 30,13 Prozent gegenüber dem Vorquartal aus.
Anleger blicken nun auf den 22. Oktober, wenn Nokia seinen Zwischenbericht für das dritte Quartal und die ersten neun Monate 2026 vorlegt. Dann dürfte sich zeigen, ob das KI-Wachstum die Kosten des China-Rückzugs bilanziell aufwiegen kann.
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