Rekordaufträge im KI-Geschäft, aber die Aktie fällt trotzdem. Bei Nokia klafft die operative Realität gerade weit auseinander von dem, was der Kurs zeigt. Am Freitag brach die Aktie um 6,32 Prozent ein und schloss bei 8,06 Euro.
Starke Zahlen, schwacher Kurs
Der finnische Netzwerkausrüster meldete für das zweite Quartal 2026 Bestellungen von 2,8 Milliarden Euro aus dem KI- und Cloud-Geschäft. Das ist fast dreimal so viel wie im Startquartal des Jahres.
Auch die übrigen Kennzahlen überzeugen. Der Nettoumsatz aus KI- und Cloud-Infrastruktur verdoppelte sich nahezu und stieg um 105 Prozent auf 446 Millionen Euro. Das vergleichbare operative Ergebnis kletterte um 18 Prozent auf 434 Millionen Euro – deutlich über der Analystenschätzung von rund 382 Millionen Euro.
Die Netzwerksparte legte währungsbereinigt um 12 Prozent zu, angetrieben von einem Plus von 20 Prozent im Bereich optische Netzwerke. Trotz dieser Bestmarken ignoriert der Markt die Erfolgsmeldungen fast komplett.
Der Chart zeigt Alarmstufe Rot
Der 14-Tage-RSI ist auf 29,5 gefallen. Das signalisiert überverkauftes Terrain. Die Aktie notiert nur noch 2,84 Prozent über ihrem 200-Tage-Durchschnitt von 7,84 Euro – eine wichtige Unterstützungslinie, die Anleger jetzt genau beobachten.
Der 50-Tage-Durchschnitt liegt bei 11,64 Euro und hat sich von einer Unterstützung in einen massiven Widerstand verwandelt. Der aktuelle Kurs liegt 30,76 Prozent darunter. Seit dem Rekordhoch von 14,97 Euro Anfang Juni hat die Aktie fast die Hälfte ihres Wertes verloren, ganze 46,16 Prozent.
Auf Jahressicht bleibt trotz des Absturzes ein Plus von 44,19 Prozent stehen. Der Gewinn der ersten Jahreshälfte ist damit aber größtenteils aufgebraucht.
Lieferketten bremsen die Euphorie
Nokia-Chef Justin Hotard beschreibt das aktuelle Marktumfeld als „KI-Superzyklus“. Trotzdem warnte er vor einem konkreten Risiko: Engpässe bei Speicherchips, besonders im DRAM-Segment, dürften bis 2027 anhalten.
Grund dafür ist der scharfe Wettbewerb um Bauteile, weil Technologiekonzerne ihre KI-Rechenzentren im Eiltempo ausbauen. Hinzu kommen ein negativer freier Cashflow von 732 Millionen Euro im zweiten Quartal – teils bedingt durch saisonale Bonuszahlungen – sowie ein Rückgang von 2 Prozent im klassischen Festnetzgeschäft.
Nokia hat trotz dieser Belastungen die Prognose für das operative Ergebnis 2026 angehoben, auf eine Spanne von 2,1 bis 2,6 Milliarden Euro. Der Markt fokussiert sich aktuell dennoch auf die Ausführungsrisiken: steigende Komponentenpreise und Schwäche im Altgeschäft.
Die Marktkapitalisierung liegt bei 45,90 Milliarden Euro. Für die Aktie wird die 200-Tage-Linie bei 7,84 Euro zur entscheidenden Marke. Hält dieses Niveau, könnte sich die überverkaufte Lage als Übertreibung erweisen. Reißt die Unterstützung, drohen weitere Verkäufe trotz der starken KI-Auftragslage.
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