Nokia hat sich in den vergangenen Monaten still und leise neu erfunden. Aus einem angeschlagenen Telekommunikationsausrüster wurde ein gefragter Infrastrukturlieferant für den globalen KI-Ausbau — und die Kursentwicklung spricht eine klare Sprache.
Optische Netze als Wachstumsmotor
Der stärkste Treiber ist das Geschäft mit optischen Netzwerken. Die Umsätze in diesem Segment stiegen um 56,4 Prozent auf 821 Millionen Euro. Hyperscaler und spezialisierte Cloud-Anbieter brauchen Hochkapazitätsverbindungen zwischen Rechenzentren — Nokia liefert die Infrastruktur dafür.
Ein entscheidender Vorteil: Nokia betreibt eine eigene Fertigungsanlage für Indiumphosphid-Komponenten. Das erlaubt eine engere Integration von Hochgeschwindigkeits-Optik, die Wettbewerber so nicht bieten können. Analysten erwarten, dass sich die Bestellungen dadurch bis Ende 2026 und ins Jahr 2027 hinein beschleunigen. Rund eine Milliarde Euro an neuen Aufträgen aus dem KI- und Cloud-Bereich unterstreichen, dass dieser Trend bereits läuft.
Indonesien-Projekt verbindet 5G mit KI
Nokia baut in Indonesien gemeinsam mit Indosat Ooredoo Hutchison und NVIDIA ein landesweites 5G-Netz. Das Netz soll von Anfang an KI-fähig sein und die sogenannte AI-RAN-Architektur unterstützen — eine Kombination aus klassischer Mobilfunkinfrastruktur und beschleunigtem Rechnen. Feldversuche sind für Ende 2026 geplant.
Das Projekt ist mehr als ein regionaler Auftrag. Es positioniert Nokia an der Schnittstelle zweier Wachstumsmärkte und hebt das Unternehmen von klassischen Netzwerkausrüstern ab.
Kurs mehr als verdoppelt seit Jahresbeginn
Die Aktie notiert aktuell bei 13,00 Euro — ein Plus von 1,60 Prozent am heutigen Montag. Seit Jahresbeginn hat der Kurs um 133 Prozent zugelegt. Vom 52-Wochen-Tief bei 3,49 Euro, das erst im August 2025 markiert wurde, ist Nokia inzwischen weit entfernt.
Der RSI liegt bei 55,3 und signalisiert weder überkaufte noch überverkaufte Verhältnisse. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von über 83 Prozent zeigt allerdings: Nokia ist kein ruhiges Papier mehr. Der Markt bewertet die Aktie zunehmend als Wachstumswert — mit allem, was dazugehört.
Das nächste konkrete Datum ist der Start der Feldversuche in Indonesien Ende 2026. Bis dahin dürfte die Entwicklung der Optik-Auftragslage der entscheidende Gradmesser bleiben.
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