Nokia schließt bis Ende 2026 nahezu alle Standorte in Festlandchina und baut den Großteil der dortigen Belegschaft ab. Betroffen ist auch das Forschungs- und Entwicklungszentrum in Hangzhou, an dem rund 1.600 Stellen wegfallen.
Nach mehr als 40 Jahren im chinesischen Markt zieht sich der finnische Netzwerkausrüster damit weitgehend zurück – Medienberichten zufolge sind wachsender Wettbewerbsdruck durch Huawei und ZTE sowie geopolitische Handelsbarrieren die treibenden Gründe.
Der Rückzug ist Teil eines größeren Umbaus. Nokia hatte bereits Ende Juli mitgeteilt, die Restrukturierungskosten für 2026 auf 800 Millionen Euro zu erhöhen, deutlich mehr als die zuvor veranschlagten 250 Millionen Euro. Davon entfallen 350 Millionen Euro auf die China-Integration, weitere 200 Millionen Euro auf Umbauten in Europa. Der Umbau soll die Kostenbasis dauerhaft senken und Ressourcen auf wachstumsstärkere Bereiche verlagern.
Wachstum bei AI und Cloud überstrahlt den Rückzug
Während sich Nokia aus China zurückzieht, wächst das Geschäft mit Künstlicher Intelligenz und Cloud-Infrastruktur kräftig. Im zweiten Quartal 2026 stiegen die Nettoumsätze um 9 Prozent auf 4,82 Milliarden Euro, das vergleichbare operative Ergebnis legte um 18 Prozent zu.
Im Segment AI & Cloud erreichte der Auftragseingang 2,8 Milliarden Euro, der Umsatz mehr als verdoppelte sich gegenüber dem Vorjahr. Das Unternehmen hob daraufhin seine Prognose für das operative Ergebnis 2026 auf eine Spanne von 2,1 bis 2,6 Milliarden Euro an und senkte gleichzeitig die Investitionsausgaben-Guidance auf 800 bis 900 Millionen Euro.
Zusätzlichen Rückenwind lieferte laut CNN ein Analyst von JPMorgan, der Mitte August erklärte, der Konsens bilde die Stärke von Nokias Auftragsbuch nicht ausreichend ab – ein Hinweis auf mögliches ungenutztes Umsatzpotenzial im AI- und Cloud-Segment.
Analysten reagierten Anfang August mit Kurszielanhebungen
Anfang August hatten sowohl die schwedische SEB Equities als auch Bank of America ihre Einschätzung zu Nokia angepasst. SEB stufte die Aktie am 12. August von Hold auf Buy hoch und nannte ein Kursziel von 12 Euro, begründet mit der beschleunigten Nachfrage nach AI- und Cloud-Lösungen.
Am selben Tag erhöhte Bank of America ihr Kursziel von 18 auf 18,50 US-Dollar und bestätigte die Kaufempfehlung mit Verweis auf einen überdurchschnittlichen Auftragseingang im AI-Bereich. Zusätzlich profitierte die Aktie von Berichten über einen möglichen FCC-Bann für chinesische optische Transceiver in den USA, der die Nachfrage von Rechenzentren zu nicht-chinesischen Anbietern lenken könnte.
Auch technologisch positioniert sich Nokia offensiv: Mitte Juli stellte das Unternehmen die nach eigenen Angaben erste kommerzielle AI-RAN-Plattform auf Basis der Aerial-Technologie von Nvidia vor, mit kommerziellem Rollout ab 2027.
Kurs unter Druck trotz starker Nachrichtenlage
Trotz der positiven operativen Entwicklung steht die Aktie zum Wochenschluss unter Druck. Am Freitag schloss das Papier bei 8,80 Euro, ein Plus von 0,7 Prozent auf Tagesbasis, doch auf Wochensicht steht ein Rückgang von 6,0 Prozent zu Buche. Damit notiert die Aktie rund 41 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 14,97 Euro, das Anfang Juni erreicht wurde.
Seit Jahresbeginn liegt Nokia dennoch mit 57 Prozent im Plus – ein Zeichen dafür, dass Anleger die langfristige Neuausrichtung auf AI und Cloud trotz der kurzfristigen Kursschwäche honorieren.
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