Nokia steht vor einem entscheidenden Tag: Am Donnerstag, dem 23. Juli 2026, veröffentlicht der finnische Netzwerkausrüster seinen Halbjahresbericht samt Zahlen zum zweiten Quartal. Die Erwartungshaltung ist hoch, doch an der Börse in Helsinki zeigte sich am Mittwoch zunächst Nervosität. Die Aktie notiert aktuell bei 9,09 Euro und verliert damit 3,44 Prozent auf Tagessicht. Auf Monatssicht hat sich der Rückgang bereits auf 28,23 Prozent summiert, und zum 52-Wochen-Hoch von 14,97 Euro vom 3. Juni 2026 klafft mittlerweile eine Lücke von 39,28 Prozent.
Konsens erwartet Gewinn am oberen Rand der Saison-Spanne
Analysten rechnen für das zweite Quartal mit einem Umsatz von 4,822 Milliarden Euro, ein Plus von 6,1 Prozent. Der vergleichbare operative Gewinn soll auf 376 Millionen Euro steigen, ein Anstieg um 24,9 Prozent, bei einer Marge von 7,8 Prozent. Damit läge das Quartalsergebnis am oberen Ende der historischen Spanne von 12 bis 16 Prozent des Jahresgewinns – aus Sicht mancher Beobachter bereits nahe der saisonalen Obergrenze. Innerhalb des Konzerns sollen die Netzwerkinfrastruktur-Sparte um 11,9 Prozent auf 2,044 Milliarden Euro und das Mobilfunknetz-Geschäft um 2,4 Prozent auf 2,587 Milliarden Euro zulegen. Der Umsatz mit KI- und Cloud-Lösungen war bereits im ersten Quartal um 49 Prozent gewachsen. Nokia-Chef Justin Hotard hatte zuletzt betont, der Konzern bewege sich oberhalb der Mitte der Jahresprognose von 2,0 bis 2,5 Milliarden Euro operativem Gewinn. Zur Einordnung: Die Aktie wird derzeit mit dem 28-Fachen des für 2026 erwarteten Gewinns je Aktie gehandelt – ein Bewertungsniveau, das Anleger vor dem Bericht besonders sensibel auf Abweichungen reagieren lässt. Auch beim Wettbewerber Ericsson hatten zuletzt steigende Kosten im KI-Geschäft die Marge belastet, was die Aufmerksamkeit auf Nokias eigene Kostenstruktur zusätzlich lenkt.
Wachstumshoffnung: Rechenzentren, KI-Netze und Taiwan
Abseits der reinen Zahlen richtet sich der Blick auf die strategische Ausrichtung. Nokia sucht zusätzliches Wachstum im Geschäft mit optischen Netzwerken für Rechenzentren, ein Feld, das angesichts des weltweiten KI-Ausbaus an Bedeutung gewinnt. Erst kürzlich hatte der Konzern eine Vereinbarung zum Ausbau von 5G-Netzen mit dem taiwanischen Mobilfunkanbieter Taiwan Mobile bekanntgegeben. Ergänzend brachte Nokia eine neue KI-RAN-Plattform auf den Markt und vertiefte eine Partnerschaft mit Nvidia. Auf der Aktionärsseite zeigte sich zudem, dass der Anteil des Fondsanbieters FMR LLC unter die Meldeschwelle von 5 Prozent gesunken ist.
US-Anleger optimistischer als europäische Investoren
Bemerkenswert ist die Divergenz zwischen den beiden Notierungen: Während die Aktie in Helsinki zuletzt schwächelte, waren die in New York gehandelten Nokia-Papiere am Vortag noch deutlich gestiegen und legten nachbörslich weiter zu. Die Investmentbank JPMorgan hatte ihr Kursziel für die US-Notierung auf 21 US-Dollar von zuvor 14 US-Dollar angehoben und die Einstufung „Overweight“ bestätigt – ein deutliches Signal, dass zumindest ein Analystenhaus der bevorstehenden Berichtssaison optimistisch entgegensieht.
Für die Anleger in Europa bleibt der Donnerstag der entscheidende Prüfstein. Mit einem RSI von 35,7 und einer annualisierten Volatilität von knapp 67 Prozent signalisiert der Markt bereits jetzt erhöhte Nervosität vor dem Zahlenwerk. Ob die Netzwerksparte und das Wachstum im KI-Geschäft die hohe Bewertung rechtfertigen können, wird sich am Berichtstag zeigen.
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