Nokia zieht sich fast vollständig aus dem chinesischen Markt zurück. Das Unternehmen bestätigte am heutigen Mittwoch, seinen operativen Fußabdruck in China zu reduzieren, um sich an das globale Betriebsmodell anzupassen. Grund sei ein anhaltender Rückgang des Regionalgeschäfts.
Zur genauen Zahl der betroffenen Mitarbeiter machte Nokia keine Angaben. Zuvor hatten Reuters und die South China Morning Post berichtet, der Konzern plane, praktisch alle Standorte sowie Forschungs- und Entwicklungszentren auf dem chinesischen Festland bis Ende 2026 zu schließen, darunter eine Einrichtung in Hangzhou.
Die Nachricht belastet die Aktie: Sie verliert am heutigen Handelstag 3,0 Prozent und notiert bei 8,75 Euro, nach einem Schlusskurs von 9,02 Euro am Vortag. Über die vergangenen sieben Tage summiert sich der Rückgang auf 3,5 Prozent. Anleger reagieren damit auf die Unsicherheit über die Kostenfolgen des Rückzugs, auch wenn das Papier seit Jahresbeginn weiterhin deutlich im Plus liegt.
Investitionen in Halbleiterfertigung laufen parallel
Während sich Nokia aus China zurückzieht, baut der Konzern seine Präsenz in der Chipfertigung aus. Anfang August unterzeichnete Nokia eine endgültige Vereinbarung zum Erwerb des Chandler-Halbleiterfertigungscampus in Arizona von NXP Semiconductors.
Der Standort soll ab 2027 auf die Produktion von Indiumphosphid-basierten Chips für optische Kommunikation umgestellt werden, der vollständige Abschluss der Transaktion wird für das erste Quartal 2029 erwartet. Zusätzlich soll die Produktion an der über die Infinera-Übernahme erworbenen Fabrikationsanlage in San Jose, Kalifornien, im vierten Quartal 2026 anlaufen.
Diese Investitionen zeigen, dass Nokia sein Geschäft strategisch auf zukunftsträchtige Technologien wie optische Chips und KI-Infrastruktur ausrichtet, während es unrentable Standorte schließt.
Untermauert wird diese Strategie durch die Einstufung als Marktführer im Bereich Mobile-Core-Portfolios: Das Marktforschungsunternehmen Omdia bewertete Nokia im aktuellen „Market Landscape: Core Vendors“-Report bereits zum zweiten Mal in Folge als Nummer eins, mit Bestnoten in allen sieben untersuchten Kategorien einschließlich KI/ML- und Cloud-native-Reife.
KI-Kooperationen in Südostasien
Anfang August startete Nokia zusammen mit Indosat Ooredoo Hutchison und NVIDIA die KI-Infrastrukturplattform „Zankore“ in Südostasien. Das Vorhaben zielt auf eine Gigawatt-Kapazität für NVIDIA-DSX-KI-Fabriken ab und unterstreicht Nokias Ambitionen im schnell wachsenden Markt für KI-Infrastruktur.
Auch aus dem eigenen Management kamen zuletzt positive Signale: Mitte August erwarben mehrere Senior Manager, darunter Raghav Sahgal, Stephan Prosi und Victoria Hanrahan, Aktien an der Helsinki-Börse zu einem Kurs von jeweils 9,091 Euro – ein Zeichen des Vertrauens in die langfristige Ausrichtung des Konzerns, auch wenn der kurzfristige Kursverlauf derzeit von der China-Nachricht überschattet wird.
Für Anleger bleibt die Gemengelage zweigeteilt: Der Rückzug aus China signalisiert eine Bereinigung margenschwacher Geschäftsbereiche, während parallel milliardenschwere Investitionen in Zukunftstechnologien laufen. Wie sich diese strategische Neuausrichtung mittelfristig auf die Profitabilität auswirkt, dürfte die kommenden Quartalsberichte prägen.
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