Nokia-Aktien pendeln sich knapp über einer wichtigen technischen Marke ein. Der Kurs schloss am Freitag bei 7,97 Euro, nur 0,50 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt von 7,93 Euro. Diese Linie fungiert nach einer heftigen Korrektur nun als Bodenmarke.
Der Rückgang der letzten 30 Tage fällt drastisch aus: fast 30 Prozent seit dem 52-Wochen-Hoch von 14,97 Euro Anfang Juni. Auf Jahressicht bleibt die Bilanz dennoch beeindruckend. Die Aktie steht noch 122,27 Prozent über ihrem Stand vor zwölf Monaten.
S&P hebt Ausblick an
Am Donnerstag hat S&P Global Ratings den Ausblick für Nokia von „stabil“ auf „positiv“ angehoben. Die Ratingagentur bestätigte gleichzeitig das Emittentenrating BBB-. Als Begründung nannte S&P die gute Position des Konzerns, um von der beschleunigten Nachfrage aus dem KI- und Cloud-Geschäft zu profitieren.
Das Wachstum im Segment Netzwerkinfrastruktur verbessere die Umsatztransparenz für die kommenden Jahre, so die Agentur. Sollte Nokia seine Kosten im Griff behalten und den Wandel hin zu KI-Infrastruktur konsequent nutzen, hält S&P eine weitere Anhebung um eine Stufe innerhalb der nächsten 24 Monate für möglich.
Rekordauftragseingang bei KI treibt das Geschäft
Die Bewertung folgt auf ein turbulentes Kapitel. Nach den Quartalszahlen vom 23. Juli war die Aktie deutlich unter Druck geraten. Das klassische Geschäft mit Mobilfunknetzen zeigte Schwächen, doch der strategische Schwenk in Richtung KI-Infrastruktur zahlte sich aus.
Nokia verbuchte im zweiten Quartal Aufträge im Volumen von 2,8 Milliarden Euro aus dem KI-Bereich. Die Nettoumsätze mit KI- und Cloud-Kunden wuchsen um 105 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Gesamtumsatz des Quartals erreichte 4,82 Milliarden Euro, ein Plus von 9 Prozent auf währungsbereinigter Basis.
Das Management passte die Gewinnprognose für das Gesamtjahr leicht an. Der operative Gewinn soll nun zwischen 2,1 und 2,6 Milliarden Euro liegen. Grund für die Anpassung ist die technische Umgliederung mehrerer Geschäftsbereiche als aufgegebene Aktivitäten.
Chartbild: Überverkauft, aber stabil
Der relative Stärkeindex (RSI) liegt aktuell bei 33,8 und nähert sich damit überverkauftem Terrain. Historisch hat dieses Niveau häufiger Käufer angelockt, gerade wenn eine fundamentale Wachstumsgeschichte im Hintergrund steht.
Genau diese Geschichte liefert Nokia derzeit. Der Konzern hat im Juli seine Partnerschaft mit Taiwan Mobile ausgeweitet und wird dort ein KI-natives 5G-Netz aufbauen. Das Projekt nutzt das AirScale-Portfolio sowie KI-gestützte Software für mehr Automatisierung und Energieeffizienz im Netzbetrieb.
Die Mobilfunksparte kämpft weiterhin mit zurückhaltenden Investitionen der Netzbetreiber. Die Verschiebung des Umsatzmix hin zur Netzwerkinfrastruktur soll die Abhängigkeit vom klassischen Telekommunikationszyklus verringern. Ob sich der prall gefüllte KI-Auftragsbestand in der zweiten Jahreshälfte auch in schnelleren Zahlungseingängen niederschlägt, entscheidet sich in den kommenden Quartalsberichten.
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