Nokia-Aktionäre erleben gerade die Kehrseite eines fulminanten Anstiegs. Die Aktie schloss am Freitag bei 8,90 Euro, ein Minus von 2,39 Prozent an nur einem Tag. Über die vergangenen 30 Handelstage hat das Papier 25,27 Prozent verloren — eine der schärfsten Korrekturen seit Beginn der KI-getriebenen Rally, die Nokia im Juni noch auf ein Rekordhoch von 14,97 Euro trieb.
Gewinnmitnahmen treffen eine überhitzte Rally
Der Rückgang trifft ins Mark einer Aktie, die zuvor viele Erwartungen übertroffen hatte. Investoren nehmen nach dem starken Lauf Kasse und zweifeln zunehmend, ob die Bewertung noch gerechtfertigt ist. Der rasante Anstieg hatte Nokia weit über das Branchenniveau katapultiert, und Sorgen wuchsen zusätzlich, nachdem Samsung schwächere Ausblicke signalisierte.
Der breitere Marktrahmen verschärfte den Druck. Während eines branchenweiten Ausverkaufs bei Technologiewerten fiel Nokia zeitweise um mehr als drei Prozent, während der Nasdaq um 1,85 Prozent und der S&P 500 um 1,11 Prozent nachgaben. Ein weiterer Belastungsfaktor kam von Ericsson: Der schwedische Telekomausrüster meldete schwächere Quartalszahlen als erwartet und warnte vor steigenden Kosten für Spezialchips, weil die KI-Infrastruktur-Nachfrage die Speicherchip-Lieferketten belastet.
Auch das technische Bild hat sich merklich eingetrübt. Der 14-Tage-RSI liegt bei 31,5 und deutet auf eine überverkaufte Situation nach dem steilen Rückgang hin. Bemerkenswert: Trotz der jüngsten Talfahrt notiert die Aktie noch 15,3 Prozent über ihrem 200-Tage-Durchschnitt — der langfristige Aufwärtstrend ist also nicht gebrochen.
Analysten bleiben trotz des Rückgangs optimistisch
Während der Kurs taumelt, halten Analysten mehrheitlich an ihrer positiven Einschätzung fest. Am 15. Juli hob SEB Equities Nokia von „Hold“ auf „Buy“ und setzte ein Kursziel von 12 Euro. Die Bank rechnet mit starkem Auftragseingang im KI- und Cloud-Geschäft — konkret mit Bestellungen von 1,2 Milliarden Euro in diesem Segment für das zweite Quartal — und hob ihre Gewinnschätzungen für 2026 bis 2028 um 2 bis 8 Prozent an.
Auch andere Häuser bleiben bei ihrer Kaufempfehlung. JPMorgan erhöhte am 12. Juni sein Kursziel auf 21 Dollar bei einem „Overweight“-Rating, Argus Research stufte die Aktie bereits am 27. April mit einem Kursziel von 15 Dollar auf „Buy“ hoch. Der Analystenkonsens liegt derzeit bei einem durchschnittlichen Kursziel von 14,67 Dollar.
Neue KI-Plattform verpufft an der Börse
Der Rückgang kommt trotz einer Serie positiver Unternehmensnachrichten. Nokia brachte kürzlich die nach eigenen Angaben erste kommerzielle AI-RAN-Plattform der Telekombranche auf den Markt. Die Lösung kombiniert Nokias KI-natives anyRAN-Software-Paket mit Nvidias Rechentechnik und soll Netzbetreibern helfen, Kapazitäten zu erhöhen und von reiner Hardware-Modernisierung auf softwaregetriebene Innovation umzusteigen.
Die Nachricht konnte den Ausverkauf jedoch nicht stoppen. Das zeigt: Überdehnte Bewertungen und Gewinnmitnahmen wiegen derzeit schwerer als operative Fortschritte.
Zahlen am 23. Juli im Fokus
Nokia veröffentlicht seinen Halbjahresbericht für 2026 am 23. Juli um etwa 8 Uhr finnischer Zeit, gefolgt von einem Analysten-Webcast am Nachmittag. Die Wall Street erwartet einen Gewinn von 7 Cent je Aktie, nach 4 Cent im Vorjahresquartal, sowie einen Umsatz von 5,59 Milliarden Dollar gegenüber 5,15 Milliarden Dollar im Vorjahr.
Anleger blicken damit auf eine Aktie, die sich binnen eines Jahres mehr als verdoppelt, im vergangenen Monat aber gut ein Viertel ihres Wertes eingebüßt hat. Der Quartalsbericht am Donnerstag wird zeigen, ob die aktuelle Korrektur nur eine Verschnaufpause war oder sich fortsetzt.
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