Nokia hat im zweiten Quartal 2026 kräftig zugelegt, während die Aktie an der Börse spürbar an Wert verliert. Der finnische Netzwerkausrüster meldete einen Nettoumsatz von 4,8 Milliarden Euro, ein Plus von 9 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf vergleichbarer Basis und von 8 Prozent auf Berichtsbasis. Der vergleichbare Gewinn kletterte um 64 Prozent auf 414 Millionen Euro. Trotz dieser Zahlen büßte die Nokia-Aktie im vergangenen Monat rund 30 Prozent ein – ein Kontrast, der viele Anleger irritiert.
Cloud- und KI-Geschäft treibt das Wachstum
Der eigentliche Wachstumstreiber liegt im Segment Network Infrastructure, das um 12 Prozent zulegte. Besonders die Optical-Sparte legte mit einem Plus von 20 Prozent zu, das IP-Geschäft wuchs um 16 Prozent. Herausragend entwickelten sich die Verkäufe an KI- und Cloud-Kunden: Hier verzeichnete Nokia ein Plus von 105 Prozent. Das Mobile-Infrastructure-Geschäft wuchs um 7 Prozent, die Portfolio Businesses um 6 Prozent. Die Zahlen zeigen, dass Nokia von der massiven Investitionswelle der Hyperscaler in Rechenzentren und KI-Infrastruktur profitiert – ein Trend, der die gesamte Branche derzeit prägt.
Die Gewinnmargen entwickelten sich parallel positiv: Die vergleichbare Bruttomarge stieg um 70 Basispunkte auf 46 Prozent, die vergleichbare operative Marge um ebenfalls 70 Basispunkte auf 9 Prozent. Auf Berichtsbasis fiel die operative Marge dagegen um 430 Basispunkte auf minus 1,0 Prozent – ein Effekt, der auf laufende Restrukturierungsmaßnahmen zurückgeht. Für das Gesamtjahr 2026 rechnet Nokia mit Restrukturierungskosten von rund 800 Millionen Euro, was die Diskrepanz zwischen operativer Stärke und Berichtsergebnis erklärt.
Netzwerke werden zum Nadelöhr der KI-Infrastruktur
Clayton Wagar, Leiter des KI-Geschäfts bei Nokia Finland, ordnete die Entwicklung in einem aktuellen Statement ein: Die Vernetzung von KI-Clustern werde für den Erfolg von Rechenzentren ebenso entscheidend wie die Rechenleistung selbst. KI-Cluster skalierten inzwischen auf Millionen von Grafikprozessoren, was optische Konnektivität, Langstreckenverbindungen und neue Kühlmethoden erfordere. Wagar beschreibt den Übergang von elektrischen zu optischen Verbindungen als bereits im Gange, wobei sich die Architektur moderner KI-Infrastruktur zunehmend jener von Netzbetreibern annähere. Bestehende Rechenzentren müssten dafür auf Flüssigkühlung umgerüstet werden. Diese Einschätzung deckt sich mit dem starken Wachstum im Optical- und IP-Geschäft, das Nokia im zweiten Quartal auswies.
Anleger bleiben trotz starker Zahlen skeptisch
An der Börse zeigt sich davon bislang wenig. Die Nokia-Aktie notiert aktuell bei 7,84 Euro und gab am heutigen Montag um 1,08 Prozent nach. Über die vergangenen 30 Tage summierte sich der Rückgang auf 29,71 Prozent – ein deutlicher Kontrast zu den soliden Quartalszahlen. Der Kursrutsch dürfte auch mit der allgemeinen Nervosität um die milliardenschweren KI-Investitionen der großen Cloud-Anbieter zusammenhängen: Amazon, Microsoft, Meta und Alphabet haben ihre Investitionsbudgets zuletzt massiv ausgeweitet, was an den Märkten zunehmend Fragen nach der Rentabilität dieser Ausgaben aufwirft. Für Nokia als Zulieferer von Netzwerktechnik bedeutet dieses Spannungsfeld zugleich Chance und Risiko: Solange die Investitionswelle anhält, profitiert das Unternehmen von steigender Nachfrage nach optischer und IP-basierter Infrastruktur. Sollte sich das Tempo der Hyperscaler-Ausgaben jedoch abschwächen, dürfte sich das unmittelbar auf das margenstarke Cloud- und KI-Geschäft von Nokia auswirken, das im zweiten Quartal den größten Wachstumsbeitrag lieferte.
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