Nokia Aktie: 1.600 Jobs in Hangzhou fallen weg

Nokia schließt China-Forschung und fokussiert auf KI-Cloud-Geschäft. Der Konzern hebt Prognose an, während die Aktie trotz starker Jahresbilanz unter Druck bleibt.

Auf einen Blick:
  • Schließung des China-Forschungsstandorts
  • Umsatzrückgang in China um 58 Prozent
  • KI-Cloud-Sparte verdoppelt Absatz
  • JPMorgan sieht deutliches Kurspotenzial

Nokia beschleunigt den Umbau seines China-Geschäfts. Der Konzern bestätigte die Schließung seiner Forschungseinrichtung für Funktechnologie in Hangzhou bis Ende 2026, wie das Unternehmen gegenüber Light Reading erklärte.

Rund 1.600 Arbeitsplätze fallen dort weg. Es ist Teil eines umfassenderen Rückzugs vom chinesischen Festland, der nahezu alle dortigen Aktivitäten betrifft und den Großteil der etwa 7.200 Beschäftigten in Greater China trifft. Betroffen sind Standorte in Peking, Shanghai, Chengdu und Qingdao, verteilt auf die Sparten Mobilfunknetze und Netzwerkinfrastruktur.

Der Schritt spiegelt eine längere Entwicklung wider: Die Umsätze in Greater China sind von 2,2 Milliarden Euro im Jahr 2018 auf 913 Millionen Euro im vergangenen Jahr gefallen, ein Rückgang von 58 Prozent. Das China-Geschäft hat für Nokia damit erkennbar an strategischer Bedeutung verloren, während der Konzern sein Kapital verstärkt in andere Wachstumsfelder lenkt.

AI und Cloud als neuer Schwerpunkt

Denn während sich Nokia aus China zurückzieht, wächst das Geschäft mit Künstlicher Intelligenz und Cloud-Infrastruktur spürbar. Im zweiten Quartal, das Ende Juni endete, stieg der Umsatz auf 4,82 Milliarden Euro von zuvor 4,44 Milliarden Euro, angetrieben von Aufträgen im Volumen von 2,8 Milliarden Euro im Bereich AI & Cloud – die Sparte mehr als verdoppelte ihren Absatz.

Der Gewinn je Aktie kletterte auf 0,07 Euro von 0,04 Euro. Nokia hob daraufhin die Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr auf 2,1 bis 2,6 Milliarden Euro an und senkte gleichzeitig die geplanten Investitionsausgaben auf 800 bis 900 Millionen Euro.

Der Konzern beschleunigt zudem seine Restrukturierung und rechnet für das laufende Jahr mit damit verbundenen Belastungen von 800 Millionen Euro. Parallel dazu verkauft Nokia sein Geschäft mit Fixed-Wireless-Access-Endgeräten an Inseego und hält eine Einigung über den Verkauf der Enterprise-Campus-Edge-Sparte für sehr wahrscheinlich.

Für das dritte Quartal stellte das Unternehmen jedoch nur ein Umsatzwachstum von 3 bis 7 Prozent gegenüber dem Vorquartal in Aussicht, bei stagnierendem operativem Gewinn – bedingt durch die zeitliche Verteilung von Software-Erlösen.

Kurs bleibt unter Druck trotz langfristiger Zuversicht

An der Börse zeigt sich die Skepsis gegenüber der kurzfristigen Entwicklung. Die Aktie notiert aktuell bei 8,88 Euro und legt am heutigen Freitag um 1,4 Prozent zu.

Über die vergangene Woche steht dennoch ein Minus von 5,1 Prozent zu Buche, auf Monatssicht beträgt der Rückgang 2,2 Prozent. Damit liegt der Kurs rund 41 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 14,97 Euro, das am 3. Juni erreicht wurde. Auf Jahressicht bleibt die Bilanz mit einem Plus von 59 Prozent dennoch deutlich positiv.

Institutionelle Beobachter sehen in der Kursschwäche eine Diskrepanz zum fundamentalen Potenzial. JPMorgan äußerte sich am Mittwoch, dass der Markt zu langsam auf Nokias Umsatzpotenzial im Bereich AI und Cloud reagiere.

Die Auftragspipeline des Konzerns deute auf stärkere Ergebnisse in den Jahren 2027 und 2028 hin, als von Analysten derzeit erwartet werde – die Bewertung habe dies bislang nicht ausreichend eingepreist.

Bereits am 17. August hatte die Bank ihr Kursziel auf 21 US-Dollar angehoben, von zuvor 14 US-Dollar im Juni, verbunden mit der Einschätzung, dass sich daraus ein Aufwärtspotenzial von mehr als 100 Prozent ergebe.

Für Anleger zeichnet sich damit ein zweigeteiltes Bild: Der schmerzhafte, aber strategisch nachvollziehbare Rückzug aus China trifft auf ein wachsendes AI-Geschäft, dessen Wert nach Einschätzung großer Analysehäuser vom Markt noch nicht vollständig erfasst wird.

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