Ein Gewinnsprung von über 150 Prozent klingt nach einem Befreiungsschlag. Bei Nintendo lohnt sich der zweite Blick: Die Konsole verkauft sich deutlich schlechter als vor einem Jahr, und ein Großteil des Gewinns stammt aus Effekten, die sich kaum wiederholen lassen.
Der operative Gewinn kletterte im ersten Geschäftsquartal um 150,5 Prozent auf 142,6 Milliarden Yen, der Gewinn je Aktionär stieg um 53,5 Prozent auf 147,4 Milliarden Yen. Beide Werte lagen weit über den Markterwartungen. Der Umsatz sank zwar gegenüber dem Vorjahresquartal um 9,5 Prozent auf 517,8 Milliarden Yen, übertraf den Analystenkonsens von rund 445 Milliarden Yen damit aber ebenfalls deutlich. Die Nintendo-Aktie reagierte in Tokio mit Kursgewinnen im niedrigen einstelligen Prozentbereich.
Woher der Gewinn wirklich kommt
Der Blick auf die Hardware relativiert die Euphorie. Von der Switch 2 gingen im Quartal 3,82 Millionen Einheiten über die Ladentheke, ein Rückgang von 34,4 Prozent gegenüber dem Startquartal vor einem Jahr. Auch die klassische Switch brach ein, um fast ein Drittel. Seit Marktstart hat Nintendo damit zwar bereits 23,68 Millionen Switch-2-Konsolen verkauft, mehr als der Vorgänger GameCube in seiner gesamten Lebensdauer erreichte. Der aktuelle Gewinnsprung speist sich dem Unternehmen zufolge jedoch vor allem aus einem höheren Softwareanteil am Umsatz und aus der Erstattung zuvor gezahlter US-Einfuhrzölle.
Zum Sondereffekt-Cocktail zählen zudem Wechselkursgewinne, Erträge aus Beteiligungen nach der Equity-Methode und Zinserträge. Ein wiederkehrender Gewinntreiber ist das nicht.
Software und Mario-Filme retten den Mix
Während die Hardware schwächelt, läuft das Software-Geschäft rund. Digitale Verkäufe legten um 90 Prozent auf 132,7 Milliarden Yen zu, das IP-Geschäft rund um Filme und Lizenzen wuchs dank des Kinoerfolgs von „The Super Mario Galaxy Movie“ um 107,4 Prozent auf 34,8 Milliarden Yen. Auch bei den Spielen selbst sorgten Mario-Ableger wie „Yoshi and the Mysterious Book“ für Auftrieb.
Steigende Speicherpreise und Zölle belasten die Kostenseite zusätzlich – Nintendo rechnet im laufenden Geschäftsjahr mit rund 100 Milliarden Yen an Zusatzkosten. Als Reaktion wurde der Preis der Switch 2 in Japan bereits von 49.980 auf 59.980 Yen angehoben, eine ähnliche Preiserhöhung im Westen ist zum 1. September 2026 geplant.
An der eigenen Jahresprognose hält Nintendo trotz der Belastungen fest: 2,05 Billionen Yen Umsatz und 310 Milliarden Yen Gewinn, jeweils rückläufig gegenüber dem Vorjahr. Ob die Rechnung aufgeht, dürfte sich vor allem daran entscheiden, wie der Markt auf die Preiserhöhung im Westen reagiert – die Zahlen zum zweiten Quartal werden dazu erste Anhaltspunkte liefern.
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