Starke Gewinne im Quartal, trotzdem ein Kurssturz: Nike hat Anleger mit seinem Jahresausblick kalt erwischt. Im vorbörslichen Handel in Deutschland verlor die Aktie auf Tradegate zuletzt gut acht Prozent. Auch die europäische Konkurrenz spürt die Nachwirkungen.
Umsatzflaute statt Gewinnfreude
Im ersten Geschäftsquartal sank der Umsatz um vier Prozent auf 11,2 Milliarden Dollar und lag etwas unter den Erwartungen. Der Gewinn fiel um zwei Prozent auf 712 Millionen Dollar, übertraf aber die Prognosen. Konzernchef Elliott Hill verwies auf zurückhaltende Verbraucher.
Den Markt interessierte jedoch vor allem der Blick nach vorn. Für das bis Ende Mai 2027 laufende Geschäftsjahr stellt Nike einen Umsatzrückgang im hohen einstelligen Prozentbereich in Aussicht. Die Analysten hatten im Schnitt lediglich mit einem Minus von 2,4 Prozent gerechnet. RBC-Analyst Piral Dadhania hob hervor, dass der Ergebnisausblick klar unter dem Konsens liegt.
Das Sanierungsprogramm wird deshalb verschärft. Es soll über die kommenden Jahre Einsparungen von 2,5 Milliarden Dollar bringen, ein Stellenabbau gehört dazu.
Hausgemachte Probleme
Nike steckt in einem Tief, das sich der Konzern teils selbst eingebrockt hat. In den vergangenen Jahren setzte das Unternehmen stark auf den Direktvertrieb, zulasten des Einzelhandels.
Konkurrierende Marken eroberten vor allem in den USA Regalplatz, die Verkäufe litten. Nun arbeitet Nike an besseren Beziehungen zu den Handelspartnern. Hill will zudem den Fokus wieder stärker auf Sportler legen, nachdem der Lifestyle-Anteil im Sortiment gewachsen war.
Gerade weil die Schwierigkeiten als weitgehend hausgemacht gelten, fielen die Abschläge bei den deutschen Rivalen moderater aus. Adidas gab vorbörslich 0,4 Prozent nach, Puma verlor 1,3 Prozent. Auch JD Sports in London könnte belastet werden.
Adidas mit eigenen Baustellen
Bei Adidas kommt eine Besonderheit hinzu. Der Konzern stellte Analysten darauf ein, dass sich das operative Ergebnis stärker ins Schlussquartal verschiebt. JPMorgan senkte das Kursziel von 230 auf 210 Euro, beließ die Einstufung aber auf „Overweight“. Analystin Wendy Liu kappte ihre Prognosen bis 2028 um bis zu zehn Prozent, lobt aber die breite Neuheiten-Pipeline und positive Signale aus dem Handel.
Bei Nike liegen die Analystenziele zwischen 38 und 45 Dollar, die Aktie notiert nach dem Rutsch deutlich darunter. Nachbörslich in New York ging es zeitweise auf 32,09 Dollar nach unten, ein Minus von 8,71 Prozent. Als Nächstes dürften die Adidas-Quartalszahlen zeigen, ob die Branchenskepsis auch dort durchschlägt.
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