Analysten-Konsens fällt auf historisches Tief
Der Rückhalt für Nike am Kapitalmarkt bricht spürbar ein. Laut Erhebungen von FactSet sprachen gestern nur noch 26 Prozent der Analysten eine Kaufempfehlung für den US-Sportartikelkonzern aus. Das markiert den niedrigsten Wert seit mindestens 20 Jahren. Zum Vergleich: Ende 2025 lag der Anteil der positiven Einschätzungen noch bei 65 Prozent.
Zugleich wetten immer mehr Marktakteure auf fallende Kurse. Zwischen Ende Juli und Mitte September kletterte die Zahl der leerverkauften Nike-Aktien von 57,4 Millionen auf 85,7 Millionen Anteile. Dieser Anstieg der Short-Positionen um 49 Prozent unterstreicht die wachsende Skepsis vor einer schnellen operativen Wende.
Schwindende Transparenz im Quartalsbericht
Zusätzliche Unruhe bringt die Berichterstattung des Unternehmens selbst. Die Analysten von BNP Paribas bekräftigten gestern ihr Votum „multiyear underperform“ und bezifferten ein mögliches Kursziel auf 19 US-Dollar. Die Experten bemängelten einen spürbaren Rückgang an Transparenz: Nike verzichtete im jüngsten Pflichtbericht an die US-Börsenaufsicht darauf, regionale vergleichbare Ladenumsätze auszuweisen.
Der anhaltende Vertrauensentzug belastet die Bewertung an den Märkten schwer. Im europäischen Handel schloss die Aktie gestern bei 30,73 Euro. Seit Jahresanfang summieren sich die Kursverluste damit auf 41 Prozent.
China-Schwäche und milliardenschwere Restrukturierung
Verantwortlich für die Zurückhaltung der Marktteilnehmer ist vor allem die anhaltende Schwäche in Fernost. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 brach der Umsatz in der Region Greater China währungsbereinigt um 26 Prozent ein. Das schwache Abschneiden in Asien konnte durch das leichte Plus von zwei Prozent auf dem nordamerikanischen Heimatmarkt nicht ausgeglichen werden.
Als Reaktion auf den anhaltenden Druck leitete der Vorstand das mehrjährige Restrukturierungsprogramm „Pace“ ein. Der Konzern fasst darin die Aktivitäten in Asien-Pazifik und Greater China zu einer gemeinsamen Sparte zusammen. Zudem sind ab 2027 gezielte Stellenstreichungen vorgesehen, um die operative Organisation zu straffen und den Vertrieb wieder stärker auf den Großhandel auszurichten.
Einsparungen erst auf lange Sicht
Bis die Maßnahmen greifen, dürften erhebliche Kosten anfallen. Das Sanierungsprogramm soll bis zum Geschäftsjahr 2031 kumulierte Kostensenkungen von 2,5 Milliarden US-Dollar erzielen. Dem stehen jedoch erwartete Vorsteuerkosten von rund einer Milliarde US-Dollar gegenüber. Für das gesamte Geschäftsjahr 2027 rechnet Nike weiterhin mit einem Erlösrückgang im hohen einstelligen Prozentbereich.
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