Der Softwarekonzern Oracle will künftig Strom aus einer Nuklearanlage von NextEra Energy beziehen. Wie gestern bekannt wurde, plant Oracle die Abnahme von 125 bis 250 Megawatt aus dem Point-Beach-Kernkraftwerk im US-Bundesstaat Wisconsin, um ein dortiges Rechenzentrum mit Energie zu versorgen.
Die Vereinbarung umfasst rund 10 bis 20 Prozent der gesamten Erzeugungskapazität des Kraftwerks. Durch den Einstieg des Technologiekonzerns sollen etwa 300 Millionen US-Dollar an Brennstoffkosten übernommen werden, die andernfalls die Kunden des regionalen Versorgers We Energies belastet hätten.
Hintergrund der Konstellation ist die Historie des Standorts: We Energies hatte die Anlage im Jahr 2007 an NextEra veräußert, sich damals jedoch Stromlieferungen bis ins Jahr 2033 gesichert. NextEra beabsichtigt, den Betrieb von Point Beach bis in die 2050er-Jahre hinein zu verlängern.
Die Umsetzung des Vorhabens steht allerdings noch unter dem Vorbehalt behördlicher Genehmigungen; ein entsprechender Antrag bei der Aufsichtsbehörde in Wisconsin wird bis Ende des Jahres erwartet.
KI-Infrastruktur treibt den Strombedarf
Der Schritt verdeutlicht den stark wachsenden Bedarf an verlässlicher Grundlastenergie, der durch den Ausbau von Rechenzentren und künstlicher Intelligenz getrieben wird. Große Technologiekonzerne suchen zunehmend nach kontinuierlich verfügbaren Stromquellen, um die Schwankungen erneuerbarer Energien auszugleichen. NextEra positioniert sich dabei an der Schnittstelle zwischen klassischer Energieerzeugung und der digitalen Infrastruktur.
In diesen Kontext passt auch das Großvorhaben Project Star in Texas, das vor über einem Monat vorgestellt wurde. Dort ist eine Gaskraftwerksleistung von 6,47 Gigawatt vorgesehen, um einen geplanten Campus für Rechenzentren zu versorgen. Auch wenn derartige Projekte langfristiges Potenzial bieten, bleiben Zeitpläne und konkrete finanzielle Beiträge für Investoren vorerst mit Unwägbarkeiten verbunden.
Uneinheitliche Signale bei Analysten
An den Finanzmärkten löst der Spagat zwischen kapitalintensiven Ausbauplänen und laufender Ertragskraft gemischte Reaktionen aus. Scotiabank bekräftigte zwar die Einstufung mit „Outperform“, reduzierte das Kursziel für den Titel jedoch von 110 auf 99 US-Dollar. Andere Marktbeobachter äußerten sich zuletzt noch zurückhaltender und stuften die Bewertung der Aktie als weitgehend ausgereizt ein.
Auf der operativen Seite meldete der Konzern für das zweite Quartal ein Ergebnis von 1,15 US-Dollar je Aktie, womit die durchschnittlichen Erwartungen leicht übertroffen wurden. Für das Gesamtjahr 2026 stellt das Management einen Gewinn je Aktie in einer Spanne von 3,92 bis 4,02 US-Dollar in Aussicht.
Notierung in der Nähe des Jahrestiefs
Am europäischen Markt schloss das Papier am Freitag bei 68,23 Euro. Damit notiert der Wert aktuell 3,5 Prozent über seinem 52-Wochen-Tief. Mit einem Abstand von -9,4 Prozent zum 200-Tage-Durchschnitt spiegelt der Kursverlauf die Skepsis wider, die den Versorgersektor trotz der Wachstumsfantasien im Technologiesegment weiterhin begleitet.
Die Kooperation mit Oracle zeigt, dass bestehende Kraftwerkskapazitäten durch den Energiehunger von Rechenzentren neue Ertragspotenziale erschließen können. Ob dieser Trend den Kurs nachhaltig stützt, hängt maßgeblich von den ausstehenden Genehmigungen und der termingerechten Umsetzung der Projekte ab.
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