Netflix muss am Dienstag liefern. Wenn der Streamingkonzern nach US-Börsenschluss seine Zahlen für das dritte Quartal vorlegt, geht es weniger um die Quartalsbilanz als um eine Grundsatzfrage: Wie will das Unternehmen sein Wachstum sichern, während die Nutzer weniger Zeit auf der Plattform verbringen?
Co-CEO Ted Sarandos räumte zuletzt selbst ein, das Unternehmen wachse „nicht so schnell, wie ich es mir wünsche“. Als Chance nennt er Live-Programme.
Zahlen im Rahmen, Stimmung angespannt
Analysten erwarten laut LSEG-Daten ein Umsatzplus von 11,8 Prozent auf 12,87 Milliarden Dollar. Das wäre das schwächste dritte Quartal beim Umsatzwachstum seit drei Jahren.
Schwerer wiegen die Engagement-Daten. Jefferies schätzt die durchschnittliche monatliche Sehzeit pro Mitglied im ersten Halbjahr auf 49 Stunden, nach 66 Stunden im ersten Halbjahr 2023. Der Marktforscher Apptopia meldet für die USA eine um 16,6 Prozent gestiegene Kündigungsrate, etwa doppelt so hoch wie in den drei Quartalen zuvor. Die Downloads in den USA und Kanada fielen demnach um 20 Prozent.
Analysten führen die Schwäche unter anderem auf die Fußball-WM 2026 und ein schwächeres Programm als 2025 zurück. Strukturell kommt Konkurrenz hinzu: Günstige, von Creatorn getragene Videos nagen am teuren Serienprogramm. YouTube kommt laut Nielsen in den USA auf nahezu die doppelte Sehzeit von Netflix und gewinnt weiter Marktanteile.
Umbau im Management
Intern ist einiges in Bewegung. Netflix strich rund sechs Prozent der Stellen, was Beobachter als Teil der Branchenwende hin zur Profitabilität werten. Zudem verlässt Content-Chefin Bela Bajaria das Unternehmen. Ihr Nachfolger wird der frühere Disney-Manager Peter Rice.
Parallel setzt der Konzern auf Werbung als zweites Standbein. Jefferies rechnet damit, dass die Werbeerlöse bis 2029 auf 7,5 Milliarden Dollar steigen. Auch Sportrechte gewinnen an Gewicht: Netflix sicherte sich die Übertragung der Fußball-WM 2030 in Spanien und Andorra.
Die Aktie schloss am Freitag bei 70,53 Dollar und gab damit 2,9 Prozent nach. Am Dienstagabend zeigt sich, ob Werbegeschäft und Live-Strategie die schwächere Nutzungsdynamik ausgleichen können.
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