Netflix wächst zweistellig, die Nutzer schauen mehr denn je – und trotzdem straft die Börse ab. Nach den Zahlen zum zweiten Quartal rutschte die Aktie nachbörslich deutlich ab und riss dabei eine seit 2022 geltende Chart-Unterstützung. Kein Wunder, dass Anleger nervös auf die Details schauen.
Solides Wachstum, schwacher Cashflow
Die Erlöse legten im zweiten Quartal um 13 Prozent auf 12,6 Milliarden Dollar zu. Nach Unternehmensangaben lagen Umsatz und Marge damit im Rahmen der eigenen Erwartungen.
Das operative Ergebnis wuchs um 11 Prozent auf 4,2 Milliarden Dollar, die Marge blieb mit 33 Prozent knapp unter dem Vorjahreswert. Beim Gewinn je Aktie stand ein Anstieg auf 0,80 Dollar, nach 0,72 Dollar im Vorjahresquartal.
Regional zeigte sich ein zweigeteiltes Bild: Europa und Lateinamerika liefen stark, während das Kerngeschäft in den USA und Kanada hinter den Erwartungen zurückblieb. Für die scharfe Kursreaktion dürfte vor allem der freie Cashflow verantwortlich sein – er fiel mit 1,53 Milliarden Dollar deutlich schwächer aus als von Investoren erhofft.
Bernstein senkt Ziel, bleibt aber optimistisch
Bernstein-Analyst Laurent Yoon reagierte prompt und senkte das Kursziel von 100 auf 95 Dollar, beließ die Einstufung aber bei „Outperform“. Investoren seien von den Resultaten kurzfristig enttäuscht, langfristig spiegele der Kurs das Geschäftspotenzial jedoch nicht ausreichend wider, so die Begründung.
Für das Gesamtjahr peilt Netflix nun einen Umsatz zwischen 51,0 und 51,4 Milliarden Dollar an, der Mittelwert liegt leicht unter dem bisherigen Analystenkonsens. Die operative Marge soll bei rund 31,5 Prozent liegen, während die betrachteten Sehstunden im ersten Halbjahr um etwa 2 Prozent zulegten – ein Hinweis darauf, dass die Nutzerbindung trotz der schwächeren Zahlen intakt bleibt.
Ob der Bruch der 2022er-Marke weitere technische Verkäufe nach sich zieht, entscheidet sich in den kommenden Handelstagen. Bernstein jedenfalls hält trotz des gesenkten Ziels an der Einschätzung fest, dass der aktuelle Kurs das langfristige Potenzial des Streaming-Geschäfts nicht widerspiegelt.
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