Für Netflix endet eine Ära. Co-Gründer Reed Hastings hat sich bei der Hauptversammlung am 4. Juni endgültig aus dem Verwaltungsrat verabschiedet. Der Schritt war erwartet worden, dennoch markiert er eine Zäsur für den Streaming-Pionier.
Die Aktie notierte am Freitag bei 71,33 Euro – ein Plus von 1,55 Prozent. Der Erholungsversuch fällt bescheiden aus. Auf Wochen- und Monatssicht steht ein Minus von 3,2 beziehungsweise 5,1 Prozent zu Buche. Mit einem RSI von 34,7 tastet sich der Titel an die technisch überverkaufte Zone heran.
Abschied des Gründers
Die Aktionäre folgten auf der Hauptversammlung weitgehend der Verwaltung. Alle nominierten Direktoren wurden bis 2027 bestätigt, Ernst & Young bleibt Wirtschaftsprüfer. Die Aktionäre segneten zudem die Vergütung der Führungskräfte ab – und lehnten sämtliche Gegenanträge ab, darunter Vorschläge zu ESG-Berichten oder zur Einführung von Kumulativstimmrecht.
Damit ist der Weg frei für den angekündigten Generationenwechsel. Reed Hastings, der bereits 2023 den Chefposten geräumt hatte, verlässt nun auch den Aufsichtsrat. Seine Nachfolge als Vorsitzender tritt Richard Hoag an.
Wenige Tage vor seinem Abgang sorgte Hastings noch für Bewegung an der Börse. Er verkaufte 386.700 Aktien im Wert von rund 33 Millionen Dollar – ein vorgeplanter Verkauf aus dem August 2023 unter einer 10b5-1-Regel. Über einen Familientrust hält er weiterhin rund 21 Millionen Papiere.
Solide Zahlen, schwacher Kurs
Die Geschäfte liefern eigentlich keinen Anlass zur Sorge. Im ersten Quartal 2026 stieg der Umsatz um 16 Prozent, das operative Ergebnis um 18 Prozent. Für das Gesamtjahr rechnet Netflix mit Erlösen zwischen 50,7 und 51,7 Milliarden Dollar – ein Plus von 12 bis 14 Prozent. Die Werbeeinnahmen sollen sich auf drei Milliarden Dollar verdoppeln.
Dennoch: Der Aktienkurs verharrt im Abwärtstrend. Der Markt blickt längst nicht mehr nur auf die Abonnentenzahlen. Gefragt ist der Beweis, dass die Werbeoffensive und die Monetarisierung dauerhaft steigende Gewinne liefern.
Q2 als nächster Lackmustest
Am 16. Juli 2026 legt Netflix die Zahlen für das zweite Quartal vor. Analysten erwarten einen Umsatz von 12,6 Milliarden Dollar. Der Fokus liegt auf der Werbesparte und den Margen. Besonders die Live-Sport-Strategie, darunter die NFL-Übertragungen ab 2026, steht unter Beobachtung.
Die Bewertung ist inzwischen so günstig wie seit drei Jahren nicht mehr. Bezogen auf die Gewinnerwartungen für 2027 notiert Netflix zum 22-Fachen – ein Niveau, das Value-orientierte Anleger auf den Plan rufen könnte. Ob daraus eine nachhaltige Erholung wird, entscheidet sich am 16. Juli.
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