Ein deutscher Synchronsprecher zieht gegen Netflix vor Gericht. Matti Klemm, die deutsche Stimme von Jason Momoa und Mahershala Ali, will den Streamingdienst verklagen, weil dieser seine Stimmaufnahmen ohne Einwilligung für das Training von KI-Systemen genutzt haben soll. Die Aktie notiert dennoch im Plus.
Vorwürfe des Sprechers
Klemm macht die Verletzung seines Persönlichkeitsrechts sowie seiner Urheber- und Datenschutzrechte geltend, wie der Verband Deutscher Sprecher:innen (VDS) mitteilte. Auslöser ist eine Datenauskunft von Netflix an den Sprecher. Daraus soll angeblich hervorgehen, dass der Konzern schon in der Vergangenheit KI-Systeme mit seinen Aufnahmen trainiert hat.
Gefragt wurde Klemm laut seinem Anwalt nicht. Bezahlung habe er ebenfalls keine erhalten. Unterstützung bekommt er von der Gesellschaft für Freiheitsrechte (GFF), die Klage soll Ende 2026 eingereicht werden. Wo, ist offen.
Netflix weist auf Vereinbarung hin
Netflix nimmt die Diskussion nach eigener Aussage ernst. Die Nutzung von KI erfolge im Einklang mit geltendem Recht, erklärte das Unternehmen. Es verweist auf eine Vereinbarung mit dem Bundesverband Schauspiel (BFFS) aus dem Jahr 2025. Demnach darf eine KI-generierte Nachbildung einer Stimme nur mit ausdrücklicher und gesonderter Zustimmung der Betroffenen genutzt werden.
Zur angekündigten Klage äußerte sich der Konzern zunächst nicht.
Mehr als ein Einzelfall
Der VDS sieht in dem Fall ein Grundsatzthema. Viele Konzerne hätten sich über Jahre an geschützten Werken und persönlichen Daten bedient, ohne die Menschen dahinter zu fragen, sagte Verbandschefin Anna-Sophia Lumpe. Die Klage solle klären, ob das zulässig war. Klemm spricht von einem dringend nötigen Präzedenzfall für die gesamte Kreativbranche.
Das Thema schwelt seit Jahresbeginn. Synchronsprecher protestierten damals gegen neue Vertragsklauseln bei Streamingproduktionen, unter anderem von Netflix. Diese erlauben laut VDS, bereits aufgenommene Stimmen für KI-Training zu verwenden. Viele Künstler unterschrieben die Verträge nicht, erste Synchronproduktionen gerieten ins Stocken.
Börse bleibt gelassen
An der Nasdaq legte die Netflix-Aktie zeitweise 1,32 Prozent auf 63,16 Dollar zu. Anleger sehen in der Ankündigung bislang offenbar kein unmittelbares finanzielles Risiko. Ein Verfahren dürfte frühestens nach der geplanten Einreichung Ende 2026 an Fahrt gewinnen. Dann zeigt sich, vor welchem Gericht Klemm antritt und wie weit sein Anspruch reicht.
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