Netflix legt an diesem Donnerstag seine Zweitquartalszahlen vor. Kurz vorher passiert etwas Ungewöhnliches: Reihenweise Analysten kappen ihre Kursziele, und eine Umfrage kürt die Aktie zum liebsten Short-Kandidaten der Wall Street. Die Stimmung kippt genau dann, wenn es am meisten zählt.
Der Kurs notiert bei 64,26 Euro. Binnen einer Woche ging es 2,70 Prozent nach unten, auf Monatssicht sind es 5,26 Prozent. Der rund 270 Milliarden Euro schwere Streaming-Konzern steht damit unter Druck, noch bevor die eigentlichen Zahlen vorliegen.
Analysten suchen vergeblich einen Kurstreiber
Mehrere große Banken haben ihre Töne in den vergangenen Tagen deutlich verschärft. Jefferies schrieb vergangene Woche, man sei „weiterhin auf der Suche nach einem Katalysator“. Citigroup sprach einen Tag zuvor von einem „Mangel an Kurstreibern“. Morgan Stanley nannte den „Katalysator-Pfad“ für Netflix diese Woche „schwierig“.
Auf die Worte folgten Taten. Morgan Stanley senkte sein Kursziel für Netflix, Barclays zog kurz vor den Zahlen nach. Beide Schritte reihen sich in eine breitere Welle von Schätzungskorrekturen der Wall Street ein.
Guggenheim macht Netflix zum Top-Short
Die schlechte Stimmung beschränkt sich nicht auf Kursziele. Guggenheim befragte mehr als 100 Online-Investoren und veröffentlichte am Mittwoch das Ergebnis: Netflix führt die Liste der beliebtesten Leerverkaufs-Ideen vor den Quartalszahlen an.
Nicht jeder an der Wall Street schließt sich dem Pessimismus an. Jefferies hält trotz der eigenen Katalysator-Sorgen an einer Kaufempfehlung mit Kursziel 110 Dollar fest. Bank of America bewertet die Aktie ebenfalls mit „Kaufen“ und nennt sogar 125 Dollar als Ziel.
Worauf Analysten bei den Zahlen achten
Weil eine klare Marktmeinung fehlt, richtet sich der Blick auf operative Details statt auf reine Wachstumszahlen. Im Zentrum stehen vier Punkte:
- Wie entwickelt sich die Kundenabwanderung in den USA nach den jüngsten Preiserhöhungen?
- Gibt es neue Erklärungen für die schwächelnde Nutzerbindung?
- Landen die Abonnentenzahlen im zweiten Quartal unter den internen Erwartungen?
- Wie viel plant Netflix für Produktionen über das Geschäftsjahr 2026 hinaus auszugeben?
Ein Jefferies-Analyst fasste die Prioritäten zusammen: Das Haus konzentriere sich vor allem darauf, wie die US-Abwanderung im Vergleich zu früheren Preiserhöhungen verlaufe, auf zusätzliche Erklärungen für die Engagement-Schwäche, darauf ob die Abo-Zahlen im zweiten Quartal unter Plan liegen, und auf Hinweise zum Content-Budget nach 2026.
Kurs im Abwärtstrend
Die aktuelle Vorsicht folgt auf eine harte Phase für die Aktie. Seit Jahresbeginn hat Netflix 19 Prozent verloren, auf Zwölfmonatssicht sind es mehr als 40 Prozent. Am Horizont ist derzeit wenig zu erkennen, das diesen Trend durchbrechen könnte.
Die technischen Indikatoren untermauern die angeschlagene Stimmung. Ein RSI von 39,8 signalisiert überverkauftes Terrain, die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei 36,56 Prozent. Die Aktie geht damit geschwächt in einen Bericht, den viele als wichtigsten Test des Jahres für die Wachstumsstory des Streaming-Konzerns einstufen.
Die Zahlen kommen nach US-Börsenschluss am Donnerstag. Ob sie die Skepsis der Wall Street entkräften oder bestätigen, dürfte den Ton für die Netflix-Aktie in den kommenden Wochen vorgeben.
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