Netflix liefert Quartal für Quartal Gewinne über den Erwartungen, und die Aktie fällt trotzdem. Vor den Zahlen am 20. Oktober nach US-Börsenschluss steht der Streamingriese an einem Punkt, an dem Bewertung und Chartbild in entgegengesetzte Richtungen weisen.
Beat reicht nicht mehr
In den vergangenen drei Berichtsperioden übertraf Netflix die Gewinnerwartungen. Die Aktie gab nach jeder Veröffentlichung nach, zuletzt um 6,42 Prozent. Marktteilnehmer scheinen vor allem einen stärkeren Ausblick zu verlangen, nicht bloß einen kleinen Gewinnvorsprung.
Für das September-Quartal erwartet der Konsens 0,82 Dollar je Aktie und rund 12,87 Milliarden Dollar Umsatz. Im Vorquartal lagen die Erlöse bei 12,56 Milliarden Dollar. Die Latte liegt damit nicht extrem hoch.
Die Schätzungen bröckeln allerdings. Die Gewinnerwartungen sanken in 90 Tagen um 2,59 Prozent, die Umsatzprognosen um knapp ein Prozent.
Solide Basis, angeschlagener Chart
Fundamental steht Netflix gut da. Der Umsatz erreichte 2025 rund 45,2 Milliarden Dollar, für 2026 liegt die Prognose bei etwa 51,2 Milliarden Dollar. Der bereinigte freie Cashflow beläuft sich auf gut 11 Milliarden Dollar. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis von 20,7 wirkt im Vergleich zur Historie moderat.
Als wichtigster Hebel gilt das Werbegeschäft. Es soll bereits über drei Milliarden Dollar im Jahr umsetzen, während die Inhaltsausgaben langsamer wachsen dürften als die Erlöse. Das könnte die Margen stützen.
Der Kurs erzählt jedoch eine andere Geschichte. Zuletzt schloss die Aktie bei 67,85 Dollar, nach einem Tagesminus von 2,49 Prozent. Auf Monatssicht beträgt der Verlust fast 18 Prozent, auf Jahressicht knapp 42 Prozent.
Der Relative-Strength-Index liegt mit 32,5 nahe der überverkauften Zone. Alle wichtigen gleitenden Durchschnitte signalisieren allerdings weiter Verkauf, auch im Wochenchart.
Spanien-Kooperation am Rande
Abseits der Kursdebatte erweitert Netflix sein Angebot in Spanien. Gemeinsam mit dem unabhängigen Anbieter Filmin kuratiert das Unternehmen monatlich zehn Filme und Dokumentationen. Die Auswahl erscheint jeweils am ersten Tag des Monats, die Titel des Vormonats bleiben einen weiteren Monat abrufbar. Kursrelevant ist das kaum.
Am 20. Oktober entscheidet sich, ob die Prognose für das Werbegeschäft und ein stabilisiertes Wachstum den Zweifeln etwas entgegensetzen. Gelingt es der Aktie danach nicht, kurzfristige Durchschnitte zurückzuerobern, bleibt das Chartbild trotz solider Bilanzdaten angeschlagen.
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