Netflix-Aktie fällt auf Jahrestief: Jetzt einsteigen?

Netflix verzeichnet trotz solider Quartalszahlen einen Kursrutsch auf ein neues Jahrestief. Analysten senken die Kursziele angesichts nachlassenden Wachstums und neuer Risiken.

Auf einen Blick:
  • Netflix-Aktie fällt auf Jahrestief
  • Solide Quartalszahlen verfehlen Erwartungen
  • Nachlassendes Wachstum belastet den Kurs
  • Übernahmegerüchte um Warner belasten zusätzlich

Die Netflix-Aktie blickt auf ein bislang schwaches Jahr 2026 zurück. Seit Jahresbeginn summiert sich das Minus auf hohe 23% im steigenden Markt. Der Streaming-Konzern legte vergangene Woche Zahlen zum zweiten Quartal vor, die jedoch keine Besserung brachten.

Statt der erhofften Fortsetzung der jüngsten Erholung reagierte das Papier mit einem erneuten Kursrutsch. Die Aktie fiel auf ein neues Jahrestief und durchbrach gleich mehrere charttechnische Unterstützungen.  Aktuell kämpft die Netflix-Aktie mit der 70 Dollar-Marke, eine Region, in der die Aktie zuletzt im September 2024 notierte.

Solide Zahlen und innovative Ideen helfen nicht

Dabei waren die Quartals-Ergebnisse zumindest solide. Der Umsatz stieg im zweiten Quartal um 13,4% auf 12,56 Mrd. US-Dollar und verfehlte die Erwartungen nur hauchdünn. Der Gewinn je Aktie lag mit 0,80 US-Dollar sogar leicht über der Konsensschätzung, der Nettogewinn erreichte 3,40 Mrd. US-Dollar. Regional wuchs das Geschäft auf breiter Front: Lateinamerika legte um 21,2% zu, Asien-Pazifik um 15,7%, Europa um 14% – und selbst der reife Heimatmarkt USA/Kanada schaffte noch hohe 10% Plus.

Auch strategisch lieferte der Streaming-Konzern gute Neuigkeiten. Das Werbegeschäft soll sich 2026 auf rund 3 Mrd. US-Dollar nahezu verdoppeln. Helfen sollen dabei Live-Events, die inzwischen 5% des Inhaltebudgets ausmachen. Die Tage mit Live-Übertragungen zählen nach Unternehmensangaben zu den anmeldestärksten überhaupt. Daneben überzeugte das Wachstum der Cloud-Gaming-Nutzer, das sich seit Oktober auf noch niedrigem Niveau verelffacht hat.

Netflix Aktie Chart

Drei Gründe für den Kursrutsch

Warum verlor die Aktie dennoch fast 10% nach Zahlen? Das hatte drei Gründe. Am schwerwiegendsten dürfte der Ausblick gewesen sein. Für das dritte Quartal stellt Netflix einen Umsatz von 12,86 Mrd. US-Dollar in Aussicht – ein Plus von „nur“ noch 11,7%. Das Wachstumstempo lässt Quartal für Quartal nach. In Anbetracht eines natürlichen Sättigungseffekts ist das nicht verwunderlich – doch Analysten neigen zu Blue-Sky-Szenarien, in denen das Wachstum für spätere Jahre in gleicher Höhe fortgeschrieben wird. Flacht die Kurve ab, werden die Erwartungen verfehlt, der Gegenwartswert der Aktie sinkt, die Kursziele fallen – und damit oft auch der Aktienkurs.

Zweitens belastete die Nutzungsstatistik der Kunden: Im ersten Halbjahr streamten die Kunden 97 Milliarden Stunden, was gerade einmal 2% mehr als im Vorjahreszeitraum ist. Der Umsatz wächst also fast ausschließlich über Preiserhöhungen und Werbung, nicht über mehr Nutzung. Das deutet in der Tendenz darauf hin, dass die Angebote weniger positiv aufgenommen werden. Damit steigt die Kündigungsbereitschaft – gerade wenn die Preise erhöht werden.

Zuletzt schadete der Aktie vermutlich auch die kommende Transparenz-Veränderung. Netflix kündigte an, die Engagement-Daten ab 2027 nur noch jährlich statt halbjährlich zu veröffentlichen. Schon die regulären Abonnentenzahlen meldet der Konzern seit dem Frühjahr nicht mehr. Wer die Einblicke in die Nutzerbindung ausgerechnet dann reduziert, wenn diese stagniert, weckt Misstrauen. Warum will Netflix nicht mehr, dass sich mit Hilfe der Daten ein besseres Bild zeichnen lässt?

Günstige Bewertung allein ist kein Kaufargument

Die ersten beiden Gründe waren ausschlaggebend dafür, dass die Kursziele nach den Zahlen praktisch flächendeckend gesenkt wurden. Der Schnitt fiel erstmals seit Langem unter die 100-Dollar-Marke. Immerhin: Nach dem Kursrutsch wird die Aktie mit weniger als dem 18-fachen des für 2027 erwarteten Gewinns (KGV) bewertet, was historisch betrachtet günstig für Netflix-Verhältnisse ist.

Ob das allein ein gutes Kaufargument ist, bleibt fraglich. Das ist ein bisschen wie beim Sommerschlussverkauf: Was dort im Wühltisch liegt, ist billig – aber eben auch das, was vorher niemand zum normalen Preis wollte. An der Börse gilt: Nicht jedes vermeintliche Angebot ist auch wirklich ein Schnäppchen.

Netflix Aktie Chart

Warner-Übernahme-Story 2.0 könnte Aktie noch tiefer in den Keller drücken

Denn belastet werden könnte die Aktie zusätzlich zu den üblichen operativen Gefahren jedes Investments von einem Comeback einer Warner-Übernahme-Story. Zur Erinnerung: Netflix hatte sich im vergangenen Jahr mit Warner Bros. Discovery auf die Übernahme des Studio- und HBO-Max-Geschäfts verständigt. Dann torpedierte Paramount mit einer Offerte von rund 111 Mrd. US-Dollar für den Gesamtkonzern den Deal, und Netflix ging leer aus.

Für die Aktie war das Platzen des Deals rückblickend eine Entlastung – der Markt hatte den eingeschlagenen Kurs und die damit verbundenen Finanzierungsfragen nie geliebt, die Kursreaktion auf die Exklusivverhandlungen fiel seinerzeit entsprechend verhalten aus.

Dieses Kapitel könnte sich nun wieder öffnen. Zwölf US-Bundesstaaten klagen gegen die Paramount-Übernahme. Eine Richterin befand, dass Paramount und Warner zusammen einen so erheblichen Marktanteil hätten, dass eine Einstufung als wettbewerbswidrig wahrscheinlich sei. Die beiden Parteien haben daher ihren Deal für ein Jahr ausgesetzt.

Platzt der Paramount-Deal endgültig, steht Warner wieder zum Verkauf – und Netflix wäre der naheliegende Interessent. Was strategisch reizvoll klingen mag, wäre für die Aktie kurzfristig vermutlich eine neue Belastung. Eine Übernahme im hohen zweistelligen Milliardenbereich, finanziert in einer Phase, in der das eigene Wachstum an Schwung verliert und der Kurs angeschlagen ist.

Die Kombination aus nachlassender Dynamik, reduzierter Transparenz und wieder aufflammendem Übernahmerisiko könnte daher trotz des Jahrestiefs für weitere Investoren-Enttäuschungen sorgen.

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