Netflix Aktie: Cramer wettet gegen Ausverkauf

Trotz Kursverlusten und rückläufigem Wachstum sieht TV-Experte Cramer Netflix als Kaufgelegenheit mit Rekord-Rückkaufprogramm.

Auf einen Blick:
  • Cramer rät zu antizyklischem Einstieg
  • Rekord-Rückkauf von 4,7 Milliarden Dollar
  • Umsatzwachstum sinkt auf 13,4 Prozent
  • RSI nahe überverkaufter Zone bei 33,6

Netflix-Aktien legten am Dienstag um 1,64 Prozent zu und schlossen bei 60,20 Euro. Die Erholung bleibt aber fragil. Über sieben Tage steht immer noch ein Minus von 6,32 Prozent, über einen Monat sind es 5,61 Prozent. Der RSI von 33,6 signalisiert überverkaufte Bedingungen — die Aktie nähert sich einer Zone, in der Anleger traditionell nach einer Bodenbildung Ausschau halten.

Cramer sieht Chance im Ausverkauf

CNBC-Moderator Jim Cramer hat sich zu Wort gemeldet. Netflix sei kein kaputtes Unternehmen, argumentiert er — trotz eines Gewinns über den Erwartungen und des größten Aktienrückkaufs der Firmengeschichte sei die Aktie eingebrochen. Cramer rät interessierten Anlegern, eine kleine Position aufzubauen und diese über Zeit auszubauen. Er wäre nicht überrascht, wenn die Schwäche anhält.

Die Aussagen kommen nach einer harten Phase für den Streaming-Konzern. Die Marktkapitalisierung liegt aktuell bei 254,33 Milliarden Euro — ein deutlicher Rückgang gegenüber den Höchstständen vom Frühjahr.

Rekord-Rückkauf mitten in der Schwäche

Trotz der Kursschwäche fährt Netflix sein Kapitalrückgabe-Programm hoch. Im zweiten Quartal kaufte der Konzern eigene Aktien im Wert von 4,7 Milliarden Dollar zurück — das größte Rückkaufquartal überhaupt. Nach der Aufstockung der Ermächtigung um 25 Milliarden Dollar im April bleiben noch rund 27 Milliarden Dollar an Spielraum.

Cramer bezeichnet das Programm als eines der größten Corporate-Buybacks in den USA. Parallel investiert Netflix in Werbung, Gaming, Live-Programme, Podcasts, Sport und künstliche Intelligenz.

Prognosemärkte sehen die Aktie mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 81 Prozent in der Handelswoche vom 20. bis 24. Juli in der Spanne zwischen 60 und 70 Dollar. Die höchste Überzeugung für den Monat liegt bei rund 65 Dollar.

Wachstum bremst ab

Der Kern der Sorge liegt im Umsatzwachstum. Die Rate sank von 17,6 Prozent im vierten Quartal 2025 auf 16,2 Prozent im ersten Quartal 2026. Im zweiten Quartal waren es nur noch 13,4 Prozent.

Diese Verlangsamung hat eine breitere Neubewertung der Netflix-Bewertung ausgelöst. Nach Jahren der Outperformance stellen Investoren die Frage, ob die Prämie noch gerechtfertigt ist.

Cramers optimistische Haltung teilt sich mit einem Argument, das unter Analysten kursiert: Der Ausverkauf sei übertrieben. Das Bull-Szenario hängt jetzt an drei Bedingungen. Netflix muss die Werbeumsätze auf 3 Milliarden Dollar verdoppeln, das Engagement-Wachstum wiederbeleben und die eigene Prognose für das dritte Quartal erfüllen. Gelingt das, könnte die Kombination aus globalem Wachstumspotenzial, Rekord-Rückkäufen und einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 19 den aktuellen Rückgang zur langfristigen Kaufgelegenheit machen.

Volatilität bleibt hoch

Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei 42,01 Prozent. Die Aktie schwankt stark, während Anleger zwischen abbremsendem Wachstum und der aggressiven Kapitalrückgabe-Strategie des Managements abwägen. Die technische Lage — ein RSI nahe der überverkauften Zone bei einer fast zweiwöchigen Verlustserie — befeuert die Debatte, ob der Rückgang eine Kaufgelegenheit oder der Beginn einer tieferen Korrektur ist.

Der Markt bleibt gespalten zwischen Cramers antizyklischem Kaufsignal und der vorsichtigeren Sicht, dass weiteres Abwärtspotenzial nicht auszuschließen ist. Erst wenn Netflix in den kommenden Quartalen zeigt, dass eine Wachstumsbeschleunigung und die Werbe-Ambitionen tragen, dürfte sich diese Spaltung auflösen.

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