Am 16. Juli 2026 legt der Konzern nach Börsenschluss seine Ergebnisse für das zweite Quartal vor – und Wall Street ist sich uneins, wohin die Reise danach geht. Während mehrere Häuser ihre Kursziele deutlich zurückgenommen haben, hält Bank of America unbeirrt an ihrer Kaufempfehlung fest.
Die Netflix-Aktie notierte am Dienstag bei 64,40 Euro und büßte damit binnen sieben Tagen 2,67 Prozent ein, auf Monatssicht steht ein Minus von 8,65 Prozent zu Buche. Der RSI von 40,2 signalisiert eine eher schwache, aber nicht überverkaufte Stimmung, während die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 36,57 Prozent die Nervosität vor dem Zahlenwerk unterstreicht. Die Marktkapitalisierung beläuft sich umgerechnet auf 269,72 Milliarden Euro.
Kurszielsenkungen dominieren, doch BofA widerspricht
Morgan Stanley hat sein Kursziel vor den Zahlen von 115 auf 90 US-Dollar gekappt, das Overweight-Rating aber bestätigt. Die Analysten sehen die Sorgen um das Nutzerengagement als übertrieben an und verweisen auf einen nach der US-Preiserhöhung im März zwar gestiegenen, aber ihrer Einschätzung nach nur temporären Kundenschwund. Live-Events und Sportübertragungen in der zweiten Jahreshälfte könnten dem Engagement neuen Schub geben, so das Haus.
Barclays senkte sein Ziel auf 85 Dollar, KeyBanc auf 92 Dollar, Bernstein von 110 auf 100 Dollar – Letzteres unter Verweis auf Gegenwind durch die Fußball-Weltmeisterschaft. Bank of America dagegen bestätigte ihre Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 125 Dollar und erwartet ein weitgehend im Rahmen der Erwartungen liegendes Ergebnis, mit Fokus auf den Ausblick für das zweite Halbjahr, das Engagement und mögliche Übernahmen. Insgesamt bewerten 24 von 32 erfassten Analysten die Aktie mit Kaufen, das durchschnittliche Kursziel liegt bei rund 112,70 Dollar. Andere Erhebungen kommen auf zehn von 14 Kaufempfehlungen und einen mittleren Zielwert von etwa 109 Dollar.
Werbegeschäft als Hoffnungsträger, Engagement als Sorgenkind
Im Zentrum der Debatte steht die Frage, ob Netflix vor allem als Werbewachstumsgeschichte oder als Fall nachlassenden Nutzerinteresses zu lesen ist. Das werbefinanzierte Abo zählt inzwischen mehr als 250 Millionen monatlich aktive Nutzer, die Werbeerlöse sollen sich 2026 auf rund drei Milliarden Dollar verdoppeln. Wedbush-Analystin Alicia Reese argumentiert, das Werbegeschäft überstrahle die Engagement-Debatte, da Werbekunden über alle Tarifstufen hinweg erreichbar seien und die Preise für Werbeplätze im Sportbereich stabil blieben.
Zugleich mehren sich Warnsignale bei der Nutzung. Die wöchentlichen globalen Abrufzahlen sind laut Media Play News mittlerweile die dritte Woche in Folge bis zum 12. Juli gefallen, im Jahresvergleich um mehr als 39 Prozent – ein Rückgang, der der parallel laufenden Fußball-Weltmeisterschaft zugeschrieben wird. Die Aktie hatte im Juni bereits ein 52-Wochen-Tief markiert, nachdem sie seit ihrem Allzeithoch von 134,12 Dollar am 30. Juni 2025 deutlich an Wert verloren hat.
Optionsmarkt erwartet kräftigen Ausschlag
Der Optionsmarkt preist für die Reaktion nach den Zahlen einen Ausschlag von bis zu acht Prozent ein, deutlich über dem historischen Durchschnitt von rund sechs Prozent. Nach den vergangenen vier Quartalsberichten war die Aktie jeweils gefallen, dennoch verzeichneten Call-Optionen zuletzt fast dreimal so viel Volumen wie Put-Optionen – ein Hinweis auf spekulatives Kaufinteresse auf eine positive Überraschung.
Für das zweite Quartal erwartet der Konsens einen Umsatz von rund 12,58 Milliarden Dollar, ein Plus von 13,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr, sowie einen Gewinn je Aktie von 0,79 Dollar bei einer operativen Marge von etwa 32,6 Prozent. Für das dritte Quartal rechnet der Markt mit 13 Milliarden Dollar Umsatz und 0,84 Dollar Gewinn je Aktie. Parallel treibt Netflix seine Live-Sport-Strategie voran: Erst am 14. Juli debütierte der Streaming-Dienst mit der Übertragung des MLB Home Run Derby, ein weiterer Baustein im Versuch, das Nutzerengagement über Sportinhalte zu stabilisieren.
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