Netflix Aktie: 105-Millionen-Dollar-Klage um „Fortitude“

Netflix kämpft mit Millionenklage, Führungswechseln und Kulturvorwürfen. Trotz Preiserhöhungen und 325 Millionen Abonnenten fällt die Aktie um 2,47 Prozent.

Auf einen Blick:
  • 105-Millionen-Klage wegen gestohlener Filmkopie
  • Ex-Manager erhebt Vorwürfe gegen Konzernkultur
  • Zwei Top-Führungskräfte verlassen Netflix
  • Abopreise steigen in den USA

Der Streaming-Marktführer Netflix sieht sich am heutigen Freitag mit einer Reihe juristischer und personeller Herausforderungen konfrontiert. Während das Unternehmen operativ wächst, belasten Berichte über eine massive Schadensersatzklage und interne Auseinandersetzungen um die Unternehmenskultur die Stimmung. Die Aktie reagiert mit einem Tagesverlust von 2,47 % und notiert aktuell bei einem Kurs von 62,01 Euro.

Rechtsstreit um verschwundenes Masterband

Ein besonders brisanter Rechtsstreit erreicht die Öffentlichkeit: Netflix wird auf Schadensersatz in Höhe von 105 Millionen US-Dollar verklagt. Hintergrund ist der Diebstahl einer unverschlüsselten Masterkopie des noch unveröffentlichten Nicolas-Cage-Films „Fortitude“ aus einem Studio in Hollywood. Wie unter anderem NBC News berichtet, wurde die Klage am Mittwoch in Kalifornien eingereicht. Der Produzent Simon Afram hatte nach eigenen Angaben über 45 Millionen US-Dollar in die siebenjährige Produktion des Thrillers investiert.

Die Kläger werfen Netflix vor, die Festplatte mit dem Filmmaterial unbeaufsichtigt gelassen und Sicherheitsstandards missachtet zu haben. Das Verschwinden des Datenträgers wurde bereits am 25. Juni gemeldet, kurz nachdem eine Testvorführung stattgefunden hatte. Laut Fox Business basierte der Film auf der historischen Operation Fortitude aus dem Zweiten Weltkrieg und erzielte bei Testscreenings vielversprechende Werte. Netflix bestreitet die Haftung für den Vorfall und wirft den Klägern seinerseits Erpressungsversuche vor.

Kündigungswelle und Vorwürfe gegen die Führungsebene

Neben dem juristischen Streit um Filmrechte sorgt eine Klage eines ehemaligen Führungskasinos für Aufsehen. Kevin Baillie, ehemaliger Vizepräsident der Netflix-Tochter Eyeline Studios, wirft dem Konzern eine unrechtmäßige Kündigung vor. Er war im April entlassen worden, nachdem er während einer firmeninternen Vertrauensübung eine medizinisch verschriebene Ketamin-Behandlung gegen Depressionen offengelegt hatte. In der Klage wird dem CEO Jeff Shapiro zudem vorgeworfen, eine von Alkohol geprägte Unternehmenskultur zu fördern.

Parallel dazu zeichnet sich ein größerer Umbau in der Führungsetage ab. Anne Sweeney verlässt nach zehn Jahren den Vorstand von Netflix. Die ehemalige Disney-Managerin galt als einflussreiches Mitglied des Gremiums. Zeitgleich tritt Emily Feingold als Kommunikationschefin nach acht Jahren zurück. Ihre Aufgaben übernehmen künftig Dani Dudeck als Chief Communications Officer und Kelly Pakula als Vizepräsidentin für die weltweite Unternehmenskommunikation. Diese personellen Einschnitte deuten auf eine strategische Neuausrichtung hin.

Preiserhöhungen und Ausblick auf das Geschäftsjahr

Trotz der Unruhen setzt Netflix seine Expansions- und Monetarisierungsstrategie fort. Das Unternehmen kündigte Preiserhöhungen für verschiedene Abomodelle an. In den USA steigt der Preis für die werbegestützte Variante von 7,99 auf 8,99 US-Dollar, während das Premium-Abo künftig 26,99 US-Dollar kosten soll. Mit aktuell 325 Millionen Abonnenten weltweit versucht der Dienst, den Umsatz pro Nutzer weiter zu steigern, um die jährlichen Inhaltsinvestitionen von rund 19 Milliarden US-Dollar zu decken.

Finanziell steht der Konzern bei einer Marktkapitalisierung von 266,03 Milliarden Euro auf einem soliden Fundament. Für das laufende Jahr wird ein freier Cashflow von 12,5 Milliarden US-Dollar prognostiziert. Die Analysten von Moffett Nathanson senkten zwar zuletzt ihr Kursziel auf 115 US-Dollar, behalten ihre Kaufempfehlung jedoch bei. Das Analysehaus Robert W. Baird bewertet das Papier mit einem Ziel von 90 US-Dollar und der Einstufung „Outperform“. Investoren blicken nun verstärkt auf die Entwicklung der Werbeeinnahmen, die sich bis zum Jahresende auf 3 Milliarden US-Dollar verdoppeln sollen.

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