Nestlé trennt sich von den globalen Blue-Bottle-Coffee-Filialen – für weniger als 400 Millionen US-Dollar. Das ist deutlich weniger als die rund 700 Millionen, mit denen der Konzern die Marke beim Einstieg 2017 bewertete. Der Abschlag ist schmerzhaft, aber kalkuliert: Der Verkauf folgt einer klaren strategischen Logik.
Käufer ist Centurium Capital, das bereits Chinas größte Kaffeekette Luckin kontrolliert. Nestlé behält allerdings das Konsumgütergeschäft von Blue Bottle – also Kaffeebohnen, Instantkaffee und Fertiggetränke. Ob der gesamte Anteil oder nur die Café-Sparte den Besitzer wechselt, ist noch nicht abschließend geklärt. Eine Fusion der beiden Kaffeemarken plant Centurium laut Nikkei Asia nicht.
Schlanker, fokussierter, profitabler
Hinter dem Deal steckt ein größeres Programm. CEO Philipp Navratil treibt den Umbau des weitverzweigten Portfolios konsequent voran. Kapitalintensive Einzelhandelsstrukturen wie Café-Filialen passen nicht in das angestrebte „Asset-Light“-Modell. Stattdessen konzentriert sich Nestlé auf vier Kernbereiche – Coffee, Petcare, Nutrition sowie Food & Snacks – die zusammen rund 70 Prozent des Umsatzes ausmachen.
Der Umbau geht über einzelne Verkäufe hinaus. Seit dem ersten Quartal 2026 läuft ein formeller Verkaufsprozess für das Wasser- und Premiumgetränkegeschäft, die Dekonsolidierung ist für 2027 geplant. Parallel baut Nestlé weltweit 16.000 Stellen ab. Das Kosteneinsparungsprogramm „Fuel for Growth“ übertraf sein Jahresziel 2025 um mehr als 350 Millionen Franken und brachte insgesamt 1,1 Milliarden Franken ein. Ab 2026 koppelt Nestlé Führungsboni stärker an das reale interne Mengenwachstum – Preissteigerungen allein sollen nicht mehr als Leistungsausweis gelten.
Nestle S.A. Aktie Chart
Zahlen und Ausblick
Die Geschäftszahlen für 2025 zeigen ein gemischtes Bild. Der Nettogewinn lag bei 9,0 Milliarden Franken, der freie Cashflow bei 9,2 Milliarden Franken. Belastet wurde das Ergebnis durch einen umfangreichen Rückruf von Säuglingsnahrung: Direkt ausgewiesene Effekte aus Retouren und Abschreibungen summierten sich auf 185 Millionen Franken. Analysten von Jefferies schätzten den potenziellen Gesamtschaden auf bis zu 1,3 Milliarden Franken.
Das reale interne Wachstum beschleunigte sich im Jahresverlauf von 0,2 Prozent in der ersten auf 1,4 Prozent in der zweiten Jahreshälfte – eine Richtung, die der Konzern 2026 fortsetzen will. Für das laufende Jahr erwartet Nestlé organisches Wachstum von rund 3 bis 4 Prozent sowie einen freien Cashflow oberhalb von 9 Milliarden Franken. Die Erste Group Bank schätzt den Gewinn je Aktie für 2027 auf 5,99 US-Dollar, gegenüber einem aktuellen Konsens von 5,01 US-Dollar für das laufende Jahr.
Die Nestlé-Aktie notiert seit Jahresbeginn rund 3,8 Prozent im Plus und liegt komfortabel über ihrem 200-Tage-Durchschnitt. Ob der Konzern die Wachstumsbeschleunigung tatsächlich liefern kann, werden die Halbjahreszahlen 2026 zeigen – sie dürften der erste belastbare Test für den Erfolg des Umbaus sein.
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