Die russische Tochtergesellschaft von Nestlé führt ihre kommerziellen Aktivitäten trotz der Einsetzung einer externen Verwaltung vollumfänglich fort. Das Unternehmen kündigte an, sämtliche Verpflichtungen gegenüber Kunden, Lieferanten und den rund 7.000 Beschäftigten im Land zu erfüllen.
Für den Schweizer Nahrungsmittelkonzern hält sich das finanzielle Risiko dabei in engen Grenzen: Laut dem Analysehaus Vontobel steuert das Russland-Geschäft lediglich rund ein Prozent zum weltweiten Konzernumsatz bei.
An der Spitze der lokalen Organisation bleibt personelle Kontinuität gewahrt. Denis Voityuk führt als leitender Direktor die Geschäfte von Nestlé Russland weiter und richtet den Schwerpunkt auf operative Effizienz sowie die Betreuung der Marken.
Auch Andrei Krayushkin, Chef der eingesetzten Verwaltungsgesellschaft L.E.V. Management, versicherte der Belegschaft in einem Schreiben den Erhalt der Arbeitsplätze. Der laufende Betrieb von Fabriken und Verteilzentren soll uneingeschränkt weitergehen.
Feste Auflagen für den laufenden Fabrikbetrieb
Gleichzeitig gelten unter der neuen Aufsicht strenge finanzielle Restriktionen. Weder größere Unternehmenstransaktionen noch wesentliche Kreditaufnahmen oder Dividendenausschüttungen sind dem Management vor Ort gestattet. Ebenso bleibt der Verkauf von Marken oder wichtigen Betriebsteilen untersagt. In Russland betreibt der Konzern sechs Fabriken, die unter anderem Kaffee, Tiernahrung und Säuglingsnahrung für den lokalen Markt produzieren.
Formal betrachtet der Nahrungsmittelhersteller den staatlichen Schritt weder als Enteignung noch als endgültigen Eigentümerwechsel. Allerdings kann die Konzernmutter ihre Eigentümerrechte vor Ort praktisch nicht wahrnehmen.
Kreml-Sprecher Dmitri Peskow verwies darauf, dass sich die Maßnahme gegen Firmen aus Ländern richte, die Moskau als unfreundlich einstuft. Die Schweizer Regierung unterstützt Nestlé bei den Bemühungen um eine Klärung der Rechtslage.
Begrenzte bilanzielle Risiken für Nestlé
Aus Sicht von Investoren wiegt der Eingriff vor allem politisch schwer, während der bilanzielle Gesamteffekt überschaubar bleibt. Vontobel-Analyst Jean-Philippe Bertschy rechnet mit marginalen Auswirkungen auf den Konzerngewinn.
Gleichwohl verweist das Analysehaus auf das Risiko künftiger Wertberichtigungen oder ungünstiger Verkaufsbedingungen, sollte der Rückzug später erzwungen werden. Präzedenzfälle wie Danone oder Carlsberg zeigten in der Vergangenheit, dass vorübergehende Verwaltungen häufig in Verkäufen an lokale Interessenten endeten.
Am Kapitalmarkt reagierten die Anleger zuletzt zurückhaltend auf die Entwicklung. Vorbörslich steht die Nestlé-Aktie bei 81,79 Euro und notiert damit 13 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 93,90 Euro. Ob das Unternehmen den Zugriff auf seine russischen Werke langfristig zurückerhält, hängt von den weiteren Entscheidungen der Regierungsstellen in Moskau ab.
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